Podcast-Folge

Selbstwert, Selbstvorwürfe und emotionale Blockaden: Im Gespräch mit Dr. Michael Bohne

27. Februar 2026 · 02:20:13

Podcast Midst of Mind mit Dr. Michael Bohne über Selbstwert, emotionale Blockaden und Selbstvorwürfe in der Persönlichkeitsentwicklung.

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Episode #31

Wie entstehen Selbstzweifel – und wie lassen sich emotionale Blockaden lösen?
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Michael Bohne über Psychotherapie, emotionale Regulation und die Klopftechnik (PEP) als wirksame Methode zur Selbsthilfe.
Im Zentrum stehen Selbstvorwürfe, innere Kritiker und die Frage, wie sich ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln lässt. Dr. Bohne beschreibt Selbstwert als das „Immunsystem unseres Denkens“ und erklärt, warum negative Gedankenmuster, Perfektionismus und überhöhte Erwartungen uns langfristig schwächen.
Wir sprechen über Pubertät, Identitätsfindung und psychologische Entwicklung, über Altersregression und Selbstwirksamkeit – und darüber, warum Fehlerfreundlichkeit ein entscheidender Faktor für mentale Gesundheit ist. Außerdem geht es um die Auswirkungen von Social Media, Leistungsdruck, Bildungssystem und Corona-Pandemie auf junge Menschen.
Ein Gespräch über Selbstbeziehung, emotionale Stärke und die Möglichkeit, alte Muster bewusst zu verändern.
Klopfen mit PEP: youtu.be/MyY4Ep0Qpg8?si=_YV8yKRedByfYIsk

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Hallo Michael, wir sind gerade eben schon am Lachen gewesen, weil ich aus Versehen gesiezt habe und du hast mir das Du angeboten. Für diejenigen, die dich nicht kennen oder vielleicht kennen, du bist der Herr Dr. Bohne und Michael mit Vornamen. Was machst du? Wie würdest du dich vorstellen mit Leuten, was du allgemein machst?

Ja, also ich bin ehemaliger Hauptschüler. Ich bin nach der achten Klasse aus der Hauptschule geflogen ohne Hauptschülerabschluss. War in der Klasse für schwer erziehbare Kinder, nicht weil ich böse war, sondern weil ich Klassenkasper war. Das Konzept Schule hat mich einfach nicht erreicht, würde ich sagen, sozusagen. Und dann war ich auch schlecht und hatte auch sowas, die haben das Legasthenie genannt, ich glaube das war was anderes.

Und dann bin ich da raus aus der Schule und dann direkt zur Volkshochschule gegangen und habe mich da angemeldet, um meinen Hauptschulabschluss nachzuholen. Und dann habe ich den nachgeholt in sechs Monaten und auch ganz gut und habe meine alte Klasse draußen überholt. Und das finde ich einfach eine schöne Geschichte, weil es viele Menschen gibt, die mit diesem, Entschuldigung, das ist ein Fachausdruck, verschissenen System Schule nicht klarkommen. Und da finde ich es extrem wichtig, dass es Modelle gibt von Menschen, die da auch abgekackt sind und die aber sozusagen nicht aufgegeben haben, sich nicht aufgegeben haben und die was weitergemacht haben. Und deswegen erzähle ich das wirklich auch gerne und überall.

Und dann habe ich einen Reageleabschluss noch nachgeholt, habe nebenbei schon so in einer Geschenkeboutique und im Supermarkt gearbeitet, irgendwann im Krankenhaus angefangen zu jobben mit 16. Und dann habe ich dann noch, ich wollte immer Masseur werden, also mich mit Physiotherapie beschäftigen. Das habe ich dann gemacht, die Ausbildung. Fand ich toll, hat Spaß gemacht. Aber das war anstrengend und ich hatte dann das Gefühl, ich will noch ein bisschen mehr für meinen Kopf machen.

Und dann habe ich erst mal Abitur nachgeholt in Hannover. Also komplett vom Dropout sagen wir dann zum Abitur. Absolut. Ander Echieber, Dropout, einer der gar nicht performt, raus. Es war nicht schlimm für mich, aber mein Hauptschullehrer, netter Typ aus Berlin, Herr Richter hieß der, das war so Amateurboxer, so ein Schrank.

Der hat immer gesagt, weil ich ja nur Quatsch gemacht habe, der hat immer mich angeguckt und gesagt, Bonewitz, der Mann am Abgrund. Also kann ich mir vorstellen, auch irgendwo ein Klassenclown gewesen. Ja, total. Ja, ja. Und ja, meine Mutter hat total an mich geglaubt.

Das war wirklich hilfreich, muss ich sagen. Und dann habe ich eben weitergemacht. Also Abitur nachgeholt, dann Medizin studiert. Und dann, um mal kurz zu machen, bin ich Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie geworden. Dann habe ich Auftrittscoaching so in die Welt gebracht.

Leute, die auf Stress haben, so zu unterstützen. Und dann habe ich Psychotherapie-Methoden mal mir angeguckt und dann gemerkt, da gibt es ein paar spannende Entwicklungen mit diesem Klopfen. Das hast du ja schon vorhin erzählt. Und dann habe ich diese Technik da weiterentwickelt. Und jetzt bin ich im Grunde Psychotherapie-Methoden-Entwickler.

Und jemand, der auf das Medizinsystem, auf das Psychotherapie-System schon auch kritisch guckt. In Würdigung dessen, was da ist. Tolle Sachen, aber es gibt ein paar Sachen, die muss man dringend verändern. Und ich habe immer im Fokus, ich bin ja Fachmensch auch irgendwie so, Fachmann. Wir müssen unser Wissen total in die Welt bringen.

Also wir müssen, jede Bürgerin, jeder Bürger muss eigentlich viel mehr wissen über dieses Thema Psychologie, Psyche, Selbstregulation, alles Mögliche. Und das ist so mein Ziel im Moment. Ich entwickle die Psychotherapie-Methode, die ich entwickelt habe, immer weiter. Wir machen Forschung, auch Hirnforschung zu dem Thema. Aber mir ist total wichtig, dieses Wissen, was wir haben, in die Welt zu bringen.

Und da kommen wir auch zum ersten Thema, was ich auch jetzt gerade schmunzeln muss. Weil wenn man den Namen Michael Bohne auf YouTube eingibt oder sucht, wird man zwangsläufig auf das Thema Klopfen kommen. Ja. Und ich dachte mir, wie klopfen, wie meint man das? Wie klopfen, auf den Körper klopfen, auf die Oberfläche klopfen?

Ja. Und ich fand das wirklich sehr lustig. Und wie wäre es, wenn du mal kurz erklärst, was genau ist damit gemeint? Ja. Also ich denke, Gabriel, du hast dich schon sehr gut vorbereitet und das hast recherchiert.

Klar. Ja, das ist verrückt. Erstmal, ich erzähle jetzt komplett absurd und verklingendes Zeug. Weil normalerweise muss man ja sagen, in der Psychotherapie denken wir, wir müssen was verstehen. Das stimmt auch.

Oder wir nehmen verschiedene Perspektiven ein und dadurch ändern wir das, was wir wahrnehmen. Und das, was wir sozusagen auch an Emotionen und so haben. Und dann gab es eine neue Entwicklung, um den 2000er Jahre war das. 2001 habe ich das kennengelernt. Da kam ein amerikanischer Psychologe nach Deutschland.

Ein Kollege hat den eingeladen. Und der hat was ganz anderes gemacht. Der hat gesagt, denk an deine Angst und dann klopf hier, klopf da. Also mit den Händen auf dem Körper, klopf da. Während du an deine Angst, klassischerweise Angst denkst.

Und atme dabei und guck mal, was passiert, wenn du an deine Angst denkst. Aber überhaupt nicht geredet, sondern etwas gemacht, was für manche Beobachter auch putzig aussieht. Und dann klopft man da so ein paar Minuten und dann fragt man, wie ist denn jetzt deine Angst? Eben war sie auf der Skala, vielleicht bei neun oder acht. Dann klopft man und zwei Minuten später fragt man, wie ist es denn jetzt?

Also eigentlich muss man ja sagen, ist doch absurd, jetzt nach zwei Minuten zu fragen, wo die ist. Die habe ich doch schon ewig immer. Und auf einmal sagen die Leute, kann das sein? Die ist irgendwie geringer. Die ist jetzt bei drei oder vier oder zwei oder so.

Und das ist komplett krass. Das ist komplett krass. Das habe ich auch vorher so nicht erlebt. Und war aber komplett geflasht davon, dass das in 80 Prozent ungefähr der Situationen funktioniert das ziemlich schnell und ziemlich gut. So, das ist erstmal die Beschreibung.

Und dann hat mich natürlich interessiert, wie kann man das erklären? Also da könnte man jetzt noch super viel auch wissenschaftlich und hirnmäßig drüber reden. Aber erstmal ist das das, was wir da machen. Und das sieht absurd aus. Also das ist echt und witzig, ganz viele machen sich lustig darüber.

Der Michael Bohnen, der klopft ja immer nur auf den Leuten rum und sowas, ne? Ich habe das nicht erfunden. Das Klopfen kommt, kann ich auch erzählen, wer das genau gemacht hat und so. Also ich bin da die vierte Generation sozusagen, die das machen. Da gibt es ganz viele Vorläufer in Amerika.

Aber ich habe ein paar Sachen ganz, ganz anders gemacht als alle Vorgänger. Und dadurch ist dann eben immer mehr was entstanden, was zu einer eigenen Methode wurde. Aber wenn man das jetzt erstmal so beschreibt, man denkt an was und klopft. Das ist, sorry, sieht verrückt aus. Weil das wirklich, ich habe das gestern, wir haben jetzt ungefähr 13 Uhr, wo wir das hier aufnehmen.

Und ich habe das gestern vom Schlafengehen mit einem Thema gemacht, was mich wirklich, was mich seitdem ich ein Kind bin begleitet. Das hat wirklich was mit Angst zu tun. Und also ich kann das vielleicht irgendwann mal erzählen, aber ich werde es jetzt mal nur kurz anschneiden. Der Inhalt ist nicht so wichtig. Ich kann übrigens mit Leuten arbeiten, ohne den Inhalt zu kennen.

Ich muss nur die Emotionen haben. Und das ist ja spannend. Was hast du dann gemacht, Gabriel? Es war dann Angst in der Bauchregion, in der unteren Bauchregion. Und da gibt es eine Anleitung.

Ich werde das verlinken in die Beschreibung und auch bei den Folgen bei Spotify, dass Leute sich das anschauen können. Ich glaube, das war zu Corona-Zeiten, wo es rauskam, seit fünf Jahren, war das eine Selbstanleitung bei den Klopfen. Und dann dachte ich mir, ja, Leute in den Kommentaren berichten irgendwie, dass das wirklich hilft und das eine gute Methode ist. Heißt, ich habe das probiert mit den 16 jeweiligen Punkten und klopfen und daran denken und auf das Gefühl achten. Und wirklich, ich sage das wirklich nicht, um das zu verkaufen.

Aber es wurde von einer intensiven 9 auf eine 1 runter. Echt krass, ne? Und das gesamte Gefühl von Angst nach, ich glaube, fünf Minuten Klopfen. Und da gab es dann diese Beruhigungsübungen zwischendrin. Leute werden am besten wissen, wenn sie sich das anschauen, was ich meine.

Und es war wow, wow. Also das ist verrückt. Das ist verrückt, es ist verrückt. Auch neurobiologisch, was passiert am Gehirn? Deswegen machen wir ja Hirnforschung.

Wir haben die weltweit ersten Hirnforschungsstudien dazu gemacht, weil das so krasser Scheiß ist, sag ich mal. Also auf Deutsch. Das muss man sich doch angucken und erklären. Und selbst kommt man sich aber auch ein bisschen komisch vor dabei, oder? Ja, ja, schon, schon.

Also ich habe das gemacht und dachte mir, ich bin jetzt gerade rein in ein Zimmer und so irgendwie von mich her und sage dann eine Art Sätze, die mich bestätigen sollen. Ja. Und dann, aber es hat wirklich einen Effekt gehabt. Und ich würde sagen, ich habe mich danach wirklich auch körperlich leichter gefühlt. Ja, genau.

Das ist die Qualitätssicherung übrigens. Also die Qualitätssicherung ist, dass die Leute echt sagen, also das ist jetzt irgendwie echt leichter. Oder manche gucken auch so in der Luft rum, wo ist denn das jetzt? Dann finden sie es nicht mehr sozusagen. Ja.

Und das heißt, um auf den Prozess jetzt mal zurückzukommen, das heißt, wir denken an ein Thema. Ja. Und wir haben bestimmte Regionen, das sind einmal an den Händen und am Gesicht. Händen und Gesicht sind das Wichtigste, würde ich sagen. Und Oberkörper noch.

Ja. Und wir machen, also wir schauen auf ein Ereignis oder auf eine Erinnerung, nehme ich an? Eine Erinnerung, etwas, was mich jetzt stresst oder etwas, was in der Zukunft liegt, mich aber jetzt schon stresst. Also die Zeitachse ist egal. Wir können Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft nehmen.

Denn wir haben bei Aufstritts-Themen zum Beispiel, wenn ich eine Prüfung habe oder was erzählen muss, Referat oder so was oder Vortrag oder so was. Das liegt ja in der Zukunft. Und trotzdem habe ich im Hier und Jetzt schon Stress. Also unser Gehirn kennt gar keine Vergangenheit und keine Zukunft eigentlich. Das ist immer eine Hier und Jetzt-Reaktion.

Und deswegen können wir ja an den Dingen, die in der Vergangenheit liegen oder die in der Zukunft kommen, deswegen können wir ja was verändern, weil das Gehirn ist immer ein Ich-jetzt-hier-System. Und um den Kreis jetzt zu schließen, weil man in der Mainstream-Kultur, das sehe ich bei vielen Sachen, das habe ich auch andere Professoren gefragt, ob es der Fall sein kann, dass Angst bzw. Trauma bzw. gewisse Emotionen in sich im Körper unmittelbar durch Einlagerung oder auch durch andere Sachen bemerkbar machen. Ja.

Und jetzt wäre meine Frage, ist das dann so eine Sache, dass diese Technik dabei hilft, nach dem Motto, man kann sich nicht rausdenken aus einem Fühlproblem. Man kann sich was nicht? Man kann sich nicht rausdenken aus einem Problem, das man fühlt. Ja, nee, rausdenken geht nicht, genau. Also, es kann, nee, das kann man auch nicht sagen.

Wenn ich jetzt Angst habe, ne? Ja. Und jetzt schalte ich, die ist nicht ganz extrem, sondern jetzt könnte es durchaus sein, dass mein Gehirn sagt, ach, das ist doch eigentlich gar nicht gefährlich. Mein präfrontaler Kortex sagt, es ist doch gar nicht gefährlich. Und dann kann es durchaus sein, dass die Angst runtergeht.

Das geht auch, das geht auch. Definitiv. Also, da gibt es so Belohnungszentren und Beruhigungszentren. Schönes Beispiel. Du gehst irgendwo lang, abends ist es dunkel und es knallt ganz laut.

Du kriegst totalen Schreck und Angst und dann drehst du dich um, dann siehst du nur, da ist eine süße kleine Katze gegen eine Leiter gestoßen und die Leiter ist umgekippt. Und dann lachst du dich kaputt, weil diese süße kleine Katze sozusagen die Leiter umgekippt hat. Die Angst ist sofort weg. Die Angst wird sofort weg sein. Wenn ich aber mal was Schlimmes erlebt habe in der Vergangenheit und dieser Schreck erinnert mich an damals, dann sehe ich auch, dass es eine Katze ist und die anderen lachen auch, aber ich komme nicht raus aus meinem Erlebnis, weil das Alte angetitscht ist.

Nicht das Gegenwärtige, sondern das Alte. Und da würde man sagen, ist es viel, viel, viel, viel schwerer, bis manchmal sogar nicht gut möglich oder unmöglich mit dem reinen Denken eine emotionale Veränderung hinzukriegen. Okay. Und um auf das Klopfen zurückzukommen, das heißt, diese Erkenntnisse, wie können wir diese nutzen im Alltag? Oder wie würdest du das jemandem erklären, der sagt, du kannst, wenn dich was beschäftigt, kannst du klopfen?

Ja, genau. Dann denkt er erstmal, spinnt der Typ? Das ist ein Vogel da. Ja, siehst du schon, der hatte keinen Hauptschulabschluss, dann merkt man es wieder. Ja, wir müssen, das Allerwichtigste ist übrigens, das ist ein ganz wichtiger Punkt, das Wichtigste ist, wenn man mit Menschen an was arbeitet, sei das in der Coaching, der Psychotherapie, in der Medizin oder auch jetzt hier, man muss einen Auftrag haben.

Also da muss jemand schon sagen, ich finde das ja krass, ich finde das interessant, kann ich das mal ausprobieren. Dann ist derjenige neugierig und offen. Wenn jetzt da jemand so sitzt und sagt, scheiße, das kann es ja gar nicht geben. Also, ne, und ich habe auch gar kein Problem oder kein Thema. Dann ist völlig okay.

Also, man darf das scheiße finden, man muss auch keine Probleme haben oder keine Themen haben. Jeder entscheidet es für sich. Dann eben nicht. Und dann würde ich es einem auch nicht anbieten oder zeigen, weil dann ist das übergriffig im Grunde. Dann mache ich was, was der gar nicht will.

Es gibt ja auch Menschen, die haben echt Menge an Problemen, aber die haben so die Idee, oh Gott, nicht hingucken, dann wird es bestimmt schlimmer. Also, es wird nicht schlimmer, wenn ich was mache, was heilsam ist in dem Moment. Wenn ich alleine zu Hause sitze und ich denke an meine Abgründe oder meine Probleme, dann kann es durchaus sein, dass ich mich immer hilfloser fühle und da gar nicht so richtig rauskomme. Aber das ist ja das Coole, was wir machen, wenn wir Therapie machen, dass man sagt, pass mal auf, ich bin da, wir können das zusammen machen. Ich glaube übrigens an dich und ich habe ein paar Sachen an Bord, die echt cool sind.

Und lass uns mal was ausprobieren. Und dann bin ich da, also kann nichts passieren, ich kenne mich aus. Und dann gibt es gegenüber, nennt man auch Co-Regulation. Die sehen mich, die sehen, dass ich komplett zuversichtlich bin und in dem Moment vielleicht sogar erstmals sagen sie, cool, also bei dir oder bei Ihnen kann ich mir das jetzt mal vorstellen, da mal hinzugucken in diesen Abgrund. Und denn, wenn ich was verdränge oder abspalte, dann bleibt es im Untergrund.

Also das bleibt als Guerilla-Thematik sozusagen vorhanden. Das wissen wir durch die Psychotherapie und Hirnforschung. Ein Thema kann ich erst dann auflösen, wenn ich es aktiviert habe und dann aber verändere. Dann neue Informationen zu packe, dass sich das verändert. Und dann, wenn ich dann nächstes Mal dran denke, das nennt man Erinnerungsupdate, ganz interessanter Begriff, finde ich.

Wenn ich nächstes Mal dran denke, kann es sein, dass jemand sagt, ja, so schlimm war es jetzt auch nicht. Weil dann durch die bleibende Erfahrung eine neue Interpretation dazu stand. Ja, eine neue Leibwahrnehmung. Du hast das ja wunderbar gerade erklärt, da steckt doch was im Körper. Es gibt einen großen amerikanischen Psychiater und Traumaforscher, Bessel van der Kolk, der hat The Body Keeps the Score, ist sein Ausspruch, das hat körperliche Schrecken.

Das, was wir erlebt haben, was uns belastet, auch eine Angst. Wo nehmen wir denn wahr? Wo nehmen wir denn so wahr? Also Erkenntnis nicht, das ist gar keine Erkenntnistheorie. Wodurch merke ich eigentlich, dass ich eine Angst habe?

Durch den Körper, wie du es schon gesagt hast. Es gibt ein Körperphänomen. Bauch ist eng oder Brust ist eng oder ich ziehe die Schultern hoch oder ich habe einen angestreckten Kopf. Das ist so ganz so. Also ich kriege einen Körperimpuls.

Und das belastende Material steckt im Körper. Deswegen ist es absurd, nur darüber zu reden. Sondern man muss den Körper mit reinnehmen. Und das machen ja die in den letzten 20 Jahren, 30 Jahren, gibt es immer mehr Methoden, die den Körper mit reinnehmen. In die Veränderung.

Und das ist dann auch, um den Bogen zu schließen, das ist dann so eine Technik vom Klopfen. Ja, genau. Das ist eine von den verschiedenen. Und ich finde sie am besten von den Bottom-up-Techniken, also von denen, die über den Körper kommen. Weil wir Menschen selbst was machen können.

Es gibt ein paar Methoden, da macht dann der Therapeut, aber ich brauche den dann, damit es mir besser geht. Und bei das Klopfen, da kann ich selbst machen. Ich kann mir sogar so ein Selbsthilfebuch kaufen, mich da zu Hause hinsetzen, das selbst ausprobieren. Und ich werde bei ganz vielen Themen, wenn sie nur emotionale Belastung sind, werde ich eine Erleichterung oder sogar eine Auflösung spüren. Deswegen finde ich ja das Klopfen, irgendwann ist mir das klar geworden, das ist auch ein bisschen so Demokratisierung von Psychotherapie.

Das kann erst mal jeder Mensch machen. Und das ist faszinierend. Aber gleichzeitig muss man sagen, bei 10 bis 20 Prozent der Situationen wird das Klopfen allein nicht reichen. Also wenn man jetzt das mal macht und man sieht, das bringt nichts, dann darf man nicht sagen, das ist ja scheiße generell. Nee, das heißt, heute hier bei mir und diesem Thema, in diesem Kontext heute, funktioniert das nicht.

Und dann kann man genau gucken, woran das liegt. Und das sind dann einmal die Blockaden, die ich jetzt erfahren habe, also auch bei der Recherche über dich. Aber das war gerade, wenn es dann nicht funktioniert, was kann man dann machen? Ja, ich gucke auf die Big Five Lösungsblock an, wie du das schon sehr präzise beschrieben hast. Ich habe nämlich genau das beobachtet.

Ich habe gesagt, krasse Sache, die Leute, wie du das gestern erlebt hast, viele sagen, das kann doch nicht sein. Ich habe da nur ein paar Minuten geklopft, dann war das anders. Und ich kenne das Thema schon ein paar Jahre oder ein paar Monate oder so. Das hat oft echt durchschlagend gewirkt. Dann ist man erst mal begeistert.

Auch als Arzt und als Anwender. Und dann habe ich ja immer wieder Leute gesehen, und das ist auch beschrieben in der Literatur, es gibt Leute, die darauf gar nicht reagieren. Die sagen, unverändert oder ein Punkt anders, aber eins ist im Grunde nichts. Und dann habe ich mich immer gefragt, wieso, was ist bei denen denn los? Warum funktioniert das bei denen in dem Moment nicht?

Und dann habe ich eben genau analysiert das Ganze. Also dann habe ich geguckt, was in der Literatur steht und was meinen Ausbildern, der Fred Gallo, erzählt hat. Das hat mich nicht überzeugt. Und dann habe ich geguckt, was finde ich denn raus, wenn ich die Leute ganz genau analysiere. Und genau frage, was denkst du da jetzt?

Was hast du im Aufmerksamkeitsfokus? Was ist da gerade? Und dann ist mir aufgefallen, dass ich immer wieder gleiche Sachen finde bei den Leuten. Und ich habe fünf Sachen gefunden im Grunde. Und dann habe ich gedacht, wie nennen wir das jetzt?

Big Five-Lösungsblockaden habe ich das dann genannt. Man kann auch Konservierungsmittel für Stress oder Leid sagen oder so. Und das war echt erhellend. Und da würde ich dann hingucken. Ich kann auch erzählen, welche das sind.

Aber da würde ich dann hingucken. Und welche wären das? Als erstes sehe ich oft, dass Menschen sich einen Selbstvorwurf machen. Sich abwerten, Selbstvorwürfen, sich anklagen. Weil ich selber bin schuld?

So was zum Beispiel. Weil ich selber habe das zugelassen. Ja, alles ist alles möglich. Ich bin scheiße, ich bin blöd, ich bin faul, ich bin zu blöd. Ich bin eine Schwachnase.

Also richtig, richtig stark auch. Ich habe es nicht verdient. Also richtig massiver Selbstvorwurf. Mir ist übrigens aufgefallen, dass viele Menschen Wut oder Ärger in dem Moment am Start haben, wenn sich nichts verändert. Das sind ja eigentlich auch Emotionen, Wut und Ärger.

Hätte ja eigentlich durch das Klopfen runtergehen müssen. Kann mal passieren auch. Aber ich habe gemerkt, ganz oft ist Wut und Ärger nicht geeignet, durch das reine Klopfen reduziert zu werden. Sondern da habe ich eben geguckt, was ist da? Und ganz oft Selbstvorwürfe.

Und dann habe ich das beschrieben als im Grunde ja eine nicht so ganz nette Beziehung zu mir selbst. Wenn ich mir andauernd, ich sage das mal medizinisch, Fachausdruck, nenne ich das der Selbstvorwurf. Ich nenne das mittlerweile, sich selbst die Fresse polieren. Ja, ich liebe das auch ein bisschen krass, die Sachen auszudrücken. Ich kann das auch fachlich ausdrücken natürlich.

Aber mir ist selbst so viel klar geworden, dadurch, dass ich es mal ganz krass ausdrücke. Und manche Patienten übrigens auch. Die entwerten sich total. Die machen sich massive Selbstvorwürfe. Aber das machen sie schon so lange, dass sie es gar nicht mehr mitkriegen, dass das im Grunde krass ist.

Und dann habe ich auch gesagt, wissen Sie, was Sie da machen? Sie polieren sich die Fresse von morgens bis abends. Das habe ich ganz feinen Damen gesagt. Mit Perlenkette und Adelstitel. Ja, weil die nicht mitkriegen, was sie da machen, wir Menschen ab und zu.

Und das ist krass. Also das ist eben, das weckt ein bisschen auf, könnte man auch sagen. Also ich kann mir auch vorstellen, dass in dem Kontext jetzt zu bleiben, dass Leute Schwierigkeiten haben, sich davon zu lösen. Ja, das kann durchaus, das wird hochinteressant jetzt, was du da ansprichst. Es kann sein, dass ich das so sehr geübt bin, mich zu entwerten, weil ich es erlebt habe, dass andere mich entwerten.

Und weil das zu meinem Selbstkonzept gehört. Ich bin nichts wert. Also wenn ich das nicht gut hatte, also wenn es keine liebenden Erwachsenen in meiner Kindheit gab, die mich angenommen haben und die mich gut fanden und so, dann ist das schwieriger. Das kann man immer noch, auch später noch lernen, aber es ist echt schwieriger, als wenn ich jemanden hatte, der gesagt hat, egal was du machst, bist in Ordnung. So, und das wird zum, also das Fremdkonzept, was andere über mich denken, wird irgendwann, man nennt das, internalisiert und wird zum Selbstkonzept.

Das kann man alles ändern, wenn man einen Auftrag dafür hat. Auftrag meint mit? Ich möchte gerne meine Selbstbeziehung verbessern. Aha, okay. Also ich würde jetzt therapeutisch sagen sofort, ja, da müssen wir doch direkt ran an die Selbstbeziehung, müssen wir doch verbessern.

Kann aber sein, dass jemand sagt, Moment mal, halt, stopp. dann, wer bin ich denn dann noch, wenn ich da anders mit mir umgehe und so, ne? Und will ich das überhaupt und darf ich das überhaupt? Diese Frage kommt doch auch auf. Die Loyalitäten, da kommen wir nachher noch drauf, der Big Five Nummer 5, kann sein, dass man das erlebt, als das darf ich gar nicht, dass ich so überzeugt von mir bin, ne?

Oder mich einfach liebevoll annehme. Und das, ich meine, Eltern haben ja auch was erlebt und oftmals sind die selbst traumatisiert oder haben schwierige Sachen erlebt und haben vielleicht Thematiken mit Sucht oder Depressionen oder so. Wir sind ja alle nicht, der Mensch ist ein sehr störanfälliges Wesen, muss man sagen. Es ist irgendwie ein faszinierendes Wesen auch und was wir alles so rausentwickelt haben im Laufe der Menschheitsgeschichte ist schon krass, aber wir sind schon sehr störanfällig, ne? Das erinnert mich immer an den systemischen Ansatz.

Ja, genau. Weil ich habe selber, also so zur Info, das wissen die Zuhörer schon, ich habe eine pädagogische Ausbildung gemacht und zwar zum Erzieher. Ah, super. Und da haben wir auch ein bisschen den systemischen Ansatz durchgenommen und das Beste, was mir da eingefallen ist, es gibt diese, das sind keine Deckenleuchten, aber das ist Decken-Dekoration mit dem Glockenspiel zum Beispiel und wenn sich eine Person bewegt oder eine Glocke, dann bewegt sich das Ganze. Wie so ein Mobili, genau.

Genau, genau. Und das, finde ich, ist eine super Situation, auch sich das vorzustellen. Genau, genau. Und das ist ein ganz wichtiger Denken im Hintergrund, den man haben muss, finde ich, weil ich kann nicht nur den Einzelnen mit seiner Thematik angucken, das hat immer wieder Auswirkungen auf andere. Und das ist teilweise sogar der limitierende Faktor dann manchmal.

Also das war das Erste, was ich gefunden habe, Selbstverwürfe. Aber das ist ja erst einer von den fünf. Um noch dabei zu bleiben, ist es dann, weil eine Idee hatte ich jetzt auch noch, ist es dann auch der Grund, warum Leute setteln? Weil ich habe in meiner Jugend viele Kontakte gehabt, die irgendwie in einer Art, die waren nicht ganz in einer depressiven Welle oder in einer Depression, aber es war nie wirklich so schlimm, dass sie was geändert haben, aber es war auch nie wirklich so gut, dass sie gesagt haben, boah, das Leben tut wirklich gut. Ja, genau.

Und vielleicht, da dachte ich jetzt, dass da vielleicht auch einfach zu wenig intrinsische Motivation dabei war, das einfach zu machen. Bei denen? Ja. Ja. Naja, erstmal glaube ich, wenn jemand es nicht gut geht, hat er gute Gründe dafür.

Und es kann auch sein, dass das ein Schutz ist vor irgendwas. Alle, die wir als Symptome beschreiben, Ängste, Depressionen, das kann alles eine Funktion mal gehabt haben und sinnvoll gewesen sein, aber jetzt ist es nicht mehr sinnvoll. Oder eben, es schützt mich vor irgendwas. Und dann wird es natürlich schon auch komplizierter und komplexer, aber du hast es genau richtig beobachtet. Also das ist, man kann nicht nur über den Einzelnen sprechen, man muss immer wieder gucken, welche Auswirkungen hat das auf das System, auf die Gemeinschaft.

Und die Selbstbeziehung, und das ist aus meiner Sicht viel zu wenig reflektiert, wie wichtig die Selbstbeziehung, also wie wir mit uns umgehen, wie wichtig die ist für psychische Gesundheit, für körperliche Gesundheit und für persönliche Weiterentwicklung und sogar Erfolg. so richtig ganz sportliche Themen, wie ob ich wirklich nach ganz oben komme und da lange bleibe in meiner Leidenschaftsthematik vielleicht. Wenn jemand sagt, ich will sportlich gut sein oder musikalisch oder möchte richtig erfolgreich sein im Leben, total wichtig, was für eine Selbstbeziehung wir haben. Und da sehe ich schon, wo auch immer wir uns da infiziert haben, aber ich sehe schon, dass wir extrem hart mit uns selbst oft umgehen. Weil ich glaube auch, dass dann sehr schwierig ist, mit Fehlern umzugehen oder die selber Vorwürfe macht zum Beispiel.

Ja, absolut. Ja, und das ist ja, wir leben ja hier in einer Kultur, die eine ganz große Fehler-Aversivität hat. Also wir haben ganz Angst vor Fehlern und man darf keine Fehler machen. Guck mal, in der Schule lernst du alles mögliche Zeug, aber ein richtig guter Umgang mit Fehlern und Scheitern gibt es gar nicht. Also eigentlich müsste man ja sagen, jetzt gucken wir uns mal Leute an, die gescheitert sind, was die vielleicht für einen coolen Move hingekriegt haben, dass die danach, und wir scheitern alle andauernd, wir könnten drei Stunden darüber reden, wo ich überall schon gescheitert bin.

Also was auch schmerzlich teilweise war, was mich wirklich gesundheitlich richtig in eine Not gebracht hat teilweise, weil es ein Riesenthema dann war. Also haben wir keine Modelle für. Ich, als ich wirklich große Scheitererlebnisse hatte, habe ich nicht gesagt, okay, jetzt kaufe ich mir das Buch How to go with the scheitern um oder so. Und ich hatte keine Vorbilder dazu, weil wir das tabuisieren, das Thema Scheitern. Und das ist dann, gestern hatte ich einen Professor, das war der Professor Hofmann, über Angst.

Und was er gesagt hat, ist, dass Angst, aber auch die verbundenen Interpretationen und Gedanken damit sehr subjektiv sind. Ja klar. Das ist das genau. Und ich dachte mir jetzt, wenn das vor allem dann tabuisiert ist, nimmt man sich auch selber die Möglichkeit, darüber anders zu denken und das dann ins Positive zu verwandeln. Absolut.

Es ist tabuisiert. Und das ist ja so, manche erleben das dann auch, ja, wenn ich jetzt besser mit mir umgehe, ist das nicht egozentrisch, egoistisch oder so. Sowas wird dann nicht. Es ist Selbstfürsorge, würde ich sagen. Es ist Selbstliebe.

Das müssen wir sogar machen. Also eigentlich müsste in unserem Präambus stehen, die Bundesbürgerin oder in allen Ländern. Wir haben auch letzten Endes nicht nur die Freiheit, uns wohlwollend und liebevoll selbst anzugucken. Man könnte ja noch einen Schritt weiter gehen. Es ist unsere Bürgerinnen und Bürgerspflicht, dass wir wohlwollend und liebevoll auf uns schauen.

Wir haben ein ganz neuer Move sozusagen. Ja, ja, das stimmt, das stimmt. Ich glaube, da muss noch viel getan werden. Absolut. Ich glaube, dem Normalen in der heutigen Zeit geht es nicht so gut.

So habe ich zumindest den Zeitgeist, dass es schwer ist. Aber da können wir später dazukommen. Der Zweite sind dann... Fremdvorwürfe. Fremdvorwürfe, klar.

Ich mache einem anderen einen Vorwurf und jetzt muss man genau gucken, tut der mir gut und gibt der mir Power, damit ich mich gut verhalte und zum Beispiel sage, hey, so geht das nicht. Das kannst du nicht machen. Oder ich auch sage, pass mal auf, nee, ich trenne mich. Oder mit dir mache ich nichts mehr zusammen. Also dafür brauchen wir schon diese gute Wut, könnte man sagen, diesen guten Ärger.

Und der schwächt uns nicht, der empowert uns eher. Man muss schon aufpassen, dass das nicht zu groß wird. Aber das ist eigentlich, also wenn Leute aufgrund von Wut straffällig werden sozusagen, ist es eigentlich nicht wirklich ein Empowerment. Die fühlen sich eigentlich hilflos. Und dann ist die Wut sozusagen der Motor, aus der Hilflosigkeit rauszukommen.

Und dann ist es eigentlich, dann ist es nicht mehr gut. Also man könnte ja so sagen, wenn ich mich wütend fühle und am anderen einen Vorwurf mache, ohne mich maximal hilflos zu fühlen, dann ist es doch okay. Dann kann man sagen, was machst du jetzt mit dieser Energie? Sag dem anderen die Meinung oder trenne dich da oder sag, pass mal auf, so geht das nicht weiter. Wenn wir weiter zusammen, sei das jetzt Partnerschaft oder sei das eine gemeinsame Veranstaltung oder Freundschaft oder ein Unternehmen zusammen oder sowas, ein Start-up, das ist ja schon gut, wenn wir den anderen nicht Vorwürfe machen.

Oder man sagt, pass mal auf, ich finde es cool, wenn wir uns Vorwürfe machen, dann nutzen wir die gleich mal, um noch besser zu werden. Dann hat man es aber gefreundet sozusagen. Um die geht es nicht. Es geht um die schwächenden Fremdvorwürfe. Ich habe nämlich in der Praxis gesehen, dass wir ganz oft Vorwürfe anderen machen, die uns aber maximal schwächen.

Das ist spannend. Also ich mache einem Menschen einen Vorwurf, du hast mich da nicht gesehen, du bist so fies zu mir, du machst das immer mit mir. Und diese Anklage an den anderen ist erstmal inhaltlich verständlich, aber jetzt muss man mal reinspüren, stärkt dich das oder schwächt dich das? Und dann empfehle ich, das schwächt mich total. Warum eigentlich?

Dadurch, dass ich den anderen anklage, stabilisiere ich ihn im Grunde in seiner Täterrolle und ich katapultiere mich in eine Opferrolle. Und das tut nicht gut. Und dann bin ich hilflos und habe keine Selbstwirksamkeitserfahrung mehr. Das ist nicht hilfreich. Deswegen ist das auch eine Lösungsblockade.

Und man, ich finde das wirklich sehr interessant. Ich finde das sehr interessant, dass das alles Aspekte, die jeder irgendwann mal in seinem Leben mitkriegen wird. Aber vielleicht, um jetzt ein anderes Thema aufzumachen, woher kommen dann die zwei Möglichkeiten, dass man sich selber vorwürfe gibt, aber auch dann dem anderen? Ja, ich glaube, dass das natürlich kulturell auch erlernt ist. Also erstmal lernen wir.

Und auch den Selbstverwurf mache ich mir natürlich als Kind. Also wie entsteht unsere Identität, muss man sich dann ja eigentlich fragen. Und unser Selbstbild. Das entsteht zu großen oder größten Teilen dadurch, wie andere mit mir umgehen. Wenn immer andere sagen, du kannst das nicht und bleib doch mal hier und hör doch mal auf jetzt.

Du nervst so, du bist so anstrengend. Dann höre ich andauernd, so bin ich anscheinend. So bin ich. Und dann geht das ins Selbstkonzept. Ich bin anstrengend, ich bin nervig, ich bin blöb, blöb, blöb.

Und irgendwann wird das, wie andere mich wahrgenommen haben, wird zu meinem Selbstkonzept. Es gibt ja auch das andere, dass Leute sagen, du bist superbegabt und du kannst da echt was und so. Also wenn man Kinder zu sehr pampert, du bist der Größte, du bist ein Genial, du bist ein Gott, du bist ein Entwickler, also solche Leute wie du, du machst alles richtig und so. Wenn man Kinder so idealisiert und glorifiziert, das ist überhaupt nicht gut für die Kinder, weil die gar keine realistische Grenze kriegen. Es gehört ja zur Welt dazu, dass ich auch mal merke, es gibt keinen Menschen, der in allen Lebensbereichen total gut ist.

Kann ja sein, dass man in ein, zwei, drei Lebensbereichen echt was kann. Aber dann gibt es andere Bereiche, wo man sagen muss, das kannst du gar nicht. Da gibt es, ich glaube, ich habe ein Buch bekommen von meinem besten Freund, von Lacan war das, glaube ich, das Spiegelstadium. Ich glaube, das ist so gemeint, dass wir uns durch, erst dann erfahren können, wenn wir durch, Spiegelung der anderen, ja. Genau, durch Spiegelung der anderen, das heißt, um es jetzt simpel zu machen, damit man das versteht, wie andere dich behandeln, aber auch was andere über dich sagen.

Genau, das ist genau, also das, und das ist schon spannend, finde ich, meine Identität entwickelt sich dadurch, was andere über mich sagen und dann wird das immer mehr zur Selbstidentität und das ist aber nicht, das ist nicht in Stein gemeißelt, man könnte sagen, das ist das bisherige Denken, wie ich über mich denke und das Ergebnis davon ist meine Identität und mein Selbstwertgefühl. Weil das ist das, was ich jetzt dann fragen würde, nämlich, weil ich selber habe, war nämlich auch mal, in der Therapie und habe da auch emotionale Sachen durchgenommen und, aber ich finde es einfach wichtig zu sagen, man ist dem nicht schutzlos ausgeliefert, also man kann sich auch fragen, ja, was denke ich und was möchte ich denn machen? Absolut, das ist, wir haben da große Gerade an Freiheit und, deswegen ist es mir auch wichtig, dass Therapie attraktiv rüberkommt und nicht so, so, ich mache jetzt eine Therapie, ne, so, also, das im Moment ist es nicht überall, aber an bestimmten Punkten denkt man noch, oh, der muss eine Therapie machen, sowas, ne, der hat es nötig, das ist ja eine Entwertung des Menschen dann, oder, jetzt mache ich, jetzt schreite ich zum Äußersten und mache sowas Fieses wie eine Therapie und das muss ja traurig dann sein und bedeutsam und so, ja, so Seelenklempner und so, da stimmt was nicht und, genau, das ist totaler Bullshit eigentlich, ne, Therapie, ich habe das ganz früh schon als junger Arzt gesagt, Psychotherapie ist doch eigentlich eine Maßnahme zur Verbesserung der Lebensqualität, ne, ja, so, es geht mir gerade nicht gut und das hat jeder Mensch mal, also, wenn man das, ganz, ganz wenig Menschen, die sagen, mir geht es immer gut, ne, so, es gibt immer natürlich, weil ja auch die Herausforderungen des Lebens groß sind, das heißt, es kann mal schon sein, dass ich strauchel, dass ich am Zweifel, dass es mir gut und nicht gut geht, dass ich belastende Emotionen habe und wenn ich dann sage, ja, das ist doch normal, dann gönnt man sich ein bisschen Psychotherapie und dann geht es einem auch besser dadurch, ne, und das ist eine Maßnahme zur Verbesserung der Lebensqualität, der Liebesqualität, der Erfolgsqualität, der Genussqualität, wenn man das so framet, als attraktive Maßnahme, ne, das finde ich total wichtig, weil wir auch die Schwellenängste vor Psychotherapie da mitnehmen, das kenne ich ja selbst, als ich junger Arzt war, da muss man Selbsterfahrung machen, das ist im Grunde Therapie für angehende Therapeuten, ne, und ich war da so, ne, glaube ich nicht, dass das irgendwas bringt und so, ne, ich war da richtig ablehnend so, ne, und dann habe ich aber einen tollen Ausbilder da gehabt und das war so krass, so cool, dass ich da alles gelernt habe über mich und wie hilfreich das war, wo ich gesehen habe, wo ich mich da verbiege und wo ich mich verstricke und wo ich meine Potenziale eigentlich gar nicht lebe, also, das war, ey, da hätte ich noch, da hätte ich dreimal so viel Geld auf den Tisch für gelegt, als es eh gekostet hat. Darf ich fragen, was da so aufkam? Naja, zu gucken, wie man seine Potenziale vielleicht nicht lebt, ne, um andere nicht zu anstrengen.

Weil man sich selber sabotiert? Nein. Na, um nicht so anstrengend zu sein für andere. Guck mal, wenn du, stellen wir uns mal jemanden vor, ich habe ja eine ADHS-Thematik da, ne, das ist ganz klar, ne, habe ich schon immer so gedacht, jetzt weiß ich das auch, bin da vollkommen, das ist, das ist keine Krankheit übrigens, ne, gibt ja wahrscheinlich viele, die da zugucken, das ist eine Form, wie Menschen neuronal sind, seit Generationen, das ist evolutionsbiologisch bedingt, hat auch extrem viele Vorteile und das ist erstmal keine Krankheit, kann aber dazu führen, dass ich sozusagen in einen Biotop komme, in ein Habitat, in eine Umwelt, wo ich da mit dieser Ausstattung komplett leide. Das heißt, das sind oft Menschen, die haben ein extrem schnelles Gehirn, die haben ein extrem kreatives Gehirn und die haben die Fähigkeit, entweder ganz viel gleichzeitig wahrzunehmen und so, kriegen alles mit und in dem Moment höre ich eben nicht, was der Lehrer sagt, ne, weil es auch langweilig ist oder die haben die Fähigkeit, sich komplett zu fokussieren auf eine Sache und da können die zehn Stunden fokussiert sein und alle anderen reden, das kriegst du gar nicht mehr mit, du bist voll fokussiert.

Das sind alles erstmal Fähigkeiten. Wenn ich aber mit so einem Gehirn, das habe ich ja erlebt, in eine normale Schule komme, erstmal musst du da ruhig sitzen. Also mein körperlicher Impuls, mich bewegen zu wollen, wird schon mal eingeschränkt. Das ist schon eigentlich Körperverletzung. Dann redet da vorne jemand, jetzt kann es sein, dass es eine liebevolle Lehrerin, ein liebevoller Lehrer ist, dann bist du im Kontakt, denkst du, den mag ich, mal hören, was du heute sagst.

Dann gibt es aber auch Lehrer, die abgespalten sind, denen die Schüler egal sind, die vielleicht selbst Probleme haben oder die komplett ausgebrannt sind in ihrem Beruf und dann merkst du, der spürt mich gar nicht, der sieht mich gar nicht, der zieht hier sein Ding durch und dann gibt es viele Menschen, die so ein Gehirn haben, die sagen, von dir lasse ich mir gar nichts sagen. Oder die haben eben ihren extrem großen Fokus und nehmen alles Mögliche wahr. Ich sitze hier auch an einem Fenster, du bist jetzt vielleicht der Lehrer, Gabriel, du erzählst, was aus deiner Sicht wirklich klug ist und wo du auch meintest, das sollte der Michael, der Bonewitz, der sollte das können. Jetzt erzählst du das und ich denke, vielleicht auch, hör auch zu, das ist ja spannend, was der Lehrer heute erzählt. Und dann sehe ich draußen, da ist ein Eichhörnchen auf dem Baum.

Ist das spannend. Guck mal. Und das ist gerade so eine Nuss, das sieht ja völlig interessant aus. Und da hinten fährt ein Krankenwagen nach. Was ist denn da passiert?

Ob der sich einer wehgetan hat? Und dann sehe ich noch, dass der Pias, der Laura da sozusagen irgendwelche Schnipsel am Kopf wirft. Das sehe ich auch. Und dann sehe ich gleichzeitig, dass die Frisur der Lehrerin heute echt ein bisschen anders aussieht als sonst. Und dann denke ich, was hat die denn gemacht?

Hat die vielleicht, ist die eigentlich verheiratet? Oder hat die vielleicht, wenn ich ein bisschen älter bin, hat die vielleicht ein Date gehabt gestern und ist deswegen heute so ein bisschen durcheinander am Kopf? Hat die die ganze Zeit geredet und ich habe nichts davon mitgekriegt. Ich habe nichts mitgekriegt, weil sie auch ehrlich gesagt nicht ganz genau erklärt hat, warum das jetzt heute für mich wichtig ist. Also die Sinnhaftigkeit zum Beispiel.

Wenn einer sagen würde, pass mal auf, es ist super wichtig jetzt, was ich erzähle, für dich und dein Leben. Dann könnte es sein, dass ich die ganze Zeit zuhöre. Und dass ich, alle anderen machen Quatsch und ich hänge an den Lippen dieser Lehrerin, dieses Lehrers, weil ich denke, das ist spannend. Super. So mit so einem Gehirn und du machst natürlich Quatsch und du bist laut und du kannst dich nicht ruhig sitzen und so.

Und jetzt kriegst du, was ist jetzt die Reaktion der Umwelt auf mich? Michael stört, in meinem Zeugnisstand, das häufig den Unterricht, hat oft keine Arbeitsmittel, kam häufig zu spät und stört auch oft den Unterricht. So. Und dann, wenn du dann nicht irgendwo auch noch Leute hast, Erwachsene, die sagen, du bist okay, ich liebe dich, du bist ein tolles Kind, dann wirst du doch entwertet von der Umwelt. Und ich sag mal so, in dem Moment bist du ja auch ein bisschen anstrengend oder bist du ja auch ein bisschen verpeilt, wirkst zumindest verpeilt.

Und dann kriegst du die Fresse poliert. Und was macht das, wenn ich das einmal erlebe, ist das ja okay, aber wenn ich das täglich erlebe und in mehreren Kontexten erlebe, was macht, was für Auswirkungen hat das auf mein Selbstkonzept und auf mein Selbstwertgefühl? Und das ist katastrophal, muss man sagen. Und dann kommen Leute dann, die genau, und das ist ja nur, ADHS ist ja nur eine Thematik oder High Speed, High Creativity und High Focus Brain, so nenne ich das, ist ja nur eine Art in der Welt zu sein. Es gibt ja noch andere.

Manche sind hochbegabt und denken, was soll das hier alles? Was erzählen die da? War doch eh klar. Da sind die komplett gelangweilt. Die sind stundenlang gelangweilt und kämpfen und wenn man dann einschläft, machst du irgendwas.

Machst wahrscheinlich auch Quatsch oder malst irgendwas und dann heißt es, du bist nicht aufmerksam gewesen. Ja, warum nicht? Ja, weil demjenigen oder derjenigen das schon eh klar war, was erzählt wird. Er könnte den Rundquizit übernehmen sozusagen. Genau deswegen wurde uns gesagt, wenn es Kinder gibt, die anders sind, die nicht im, also anders meine ich mit jetzt außerhalb der Norm.

Aber Norm ist ja immer was subjektiv-objektives eigentlich. Das ist immer so ein Ding, das kann sich ändern und bei uns wurde gesagt, man soll immer ressourcenorientiert schauen. Ja, absolut. Was ist da? Nicht für das Fehlende, sondern das, was da ist, ergänzen.

Genau, genau. Das ist natürlich super. Wenn man diesen ressourcenorientierten Fokus hat, ist das für die Kinder total hilfreich. Und das war ja bei der Herr Richter. Ich meine, heute würde er wahrscheinlich, darfst du nicht mehr sagen, Bonewitz, der Mann am Abgrund.

Das wird dann als Trigger oder der hat ihn traumatisiert oder so. Aber ich habe doch gehört, wie cool der mich findet. Das war ja immer so, der guckt mich an so, macht eine Pause und sagt, Bonewitz. In seinem Berliner Akzent, Bonewitz, der Mann am Abgrund. Soll ich noch was erzählen von dem?

Bitte. Er hat sich ein Haus gekauft dann in Hannover und dann hat er seine Hauptschüler am Nachmittag gefragt, ob die nicht Lust haben, Tapete mit abzureißen und so. Christen, mag die Stunde oder sowas. Also wir dann da hin, der war nett, war keine Ausbeutung. Wir mussten es ja nicht machen.

Und dann haben wir alles Mögliche gemacht und alle saßen schon auf der Treppe und haben Cola getrunken und ich habe noch so ein bisschen gefegt da auf dem Gehweg. Und dann gucken sie alle so und Richter wieder, guckt, guckt wieder, macht eine Pause und sagt, Bonewitz bei seinem Lieblingsjob. Und da könnte man ja jetzt sagen, der hat mich entwertet. Aber ich habe die Sympathie, ich würde sogar fast sagen, die Liebe in seiner Stimme gespürt. Der mochte mich.

Der fand mich cool als jemand, der die Grenzen da sprengt. Aber das ist ja auch das Coole. Das bringt uns da gleich zum nächsten Punkt oder kann uns zum nächsten Punkt bringen. Selbstwert, wieso das eigentlich so wichtig ist. Ja, super.

finde ich echt das aus meiner Sicht das wichtigste Thema überhaupt. Wieso? Also, weil ich der Überzeugung bin, dass das Selbstwertgefühl das Immunsystem unseres Bewusstseins ist, unseres Denkens und unserer Wahrnehmung. Das Selbstwertgefühl als Immunsystem unseres Denkens und unserer Wahrnehmung. Es gibt, und das ist eine schöne Metapher.

Wir haben ja als Menschen ein Immunsystem und hier sind überall Erreger. Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken. Ich infiziere mich aber nicht daran. Wenn Grippe ist und ich entweder ein extrem hohes sowieso Immunsystem habe, obereben, manche Viren sind so fies, da habe ich eigentlich nur richtig gute Chancen, wenn ich geimpft bin. Impfung ist ja nichts anderes, als dass mein Immunsystem gepowert wird, wenn so ein Erreger kommt.

Das ist nichts anderes. So, jetzt, das kriege ich ja gar nicht mit. Überall sind ja hier Erreger. Das kriege ich nicht mit, weil mein Immunsystem hoch genug ist. Wenn ich jetzt eine Immunsuppression hätte durch eine Therapie oder durch HIV oder sowas, dann würde ich mich an ganz vielen Sachen infizieren, wo man sich eigentlich nicht daran infiziert, weil mein Immunsystem im Keller ist.

Und diese Metapher finde ich schön, dass die Psyche sozusagen auch ein Immunsystem hat und dann fliegt irgendein Erreger rum, zum Beispiel, du bist doof, du bist blöd, du bist dick, du siehst nicht gut aus oder du erzählst langweiliges Zeug oder wirst angegriffen. Das ist ein Erreger erstmal und ich gucke jetzt, wenn mein Immunsystem hoch ist, mein Selbstwertgefühl hoch ist, dann kann ich auch, ich muss den anderen nicht entwerten übrigens. Das spricht eher dafür, dass ich ein Geringes habe und ich in Gegenangriff gehen muss. Wenn es hoch ist, dann kann ich sagen, interessante Beobachtung von dir, dass du mich scheiße findest. Wie kommst du da drauf?

Du hast immer ein paar Informationen, dass ich das nachvollziehen kann. Wenn es gering ist, muss ich mich dagegen wehren oder ich ziehe mir das alles an und dann denke ich, scheiße, ich bin auch so blöd. Dann denke ich, nur weil ein anderer mich scheiße findet, ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass ich scheiße bin. Das geht gar nicht, weil erkenntnistheoretisch kann der andere ja nur sagen, wie er mich wahrnimmt, nicht wie ich bin. .

Und das heißt dann, also, weil wir vor allem Kommentare, Meinungen, ja, ja, wie Leute mit uns umgehen, da durch diesen Filter der Selbstkonzept annehmen oder dem durch wahrnehmen, kann das den Filter ausmachen, dass wir immer etwas Negatives denken. Genau. Finde ich ein schönes Bild von dir übrigens, diese Filtermetapher. Genau, entweder ich filter das raus oder die Filter sind offenporig und das geht alles rein. .

Und das heißt dann, Beziehung wird sich selber stärken. Wie? Naja, nicht nur, nicht nur, das wäre ein Teil. Also, das Selbstwerttraining geht anders nochmal, das ist noch mehr. Ich würde dann genau gucken, was hat jemand für Selbstwerträuber, nenne ich das übrigens wieder ganz sportlich.

Was hast du an Bord, was dazu führt, welches Denken, Fühlen und Handeln hast du in dir, was dazu führt, dass du mit deinem Selbstwertgefühl sozusagen im Keller wohnst und nicht in der Belle Etage im ersten Stock mit dem schönen Balkon und dem lichtdurchflutenden Wohnzimmer. So, das ist dann die Frage und dann kann man genau gucken, was machst du da eigentlich, was dich limitiert und dann sind das eben oftmals so Sachen, die andere über einen gesagt haben, die sind dann zum Selbstkonzept geworden, dann gibt es die Selbstbeziehung, einen Selbstvorwurf gibt es und gibt auch noch ein paar andere Big Five, wir haben ja noch nicht alle, die können auch noch vorhanden sein. Ja, so, und dann gucken wir wirklich, ah, interessant, also, das hast du dir quasi im Laufe deines Lebens eingefangen als Entwertungsmanöver von anderen, ich nenne das ja auch Kognokokken und Narrativokokken, ne, also, Kognition, genau, das ist ein Gedankensabgang, ich bin damals drauf gekommen, als ich mein Buch für Rowald geschrieben habe, von den Emokokken habe ich da gesprochen, also Gefühle anderer, an denen man sich infizieren kann, ne, das fand ich irgendwie lustig, diese Idee, ne, ja, aber ehrlich gesagt, war mir das aufgefallen, dass viele Menschen, die Ängste haben oder Angsterkrankungen, dass die aus einem Familiensystem kommen, wo irgendwie jemand anderes auch Angst hatte und dann dachte ich, kann man das nicht einfach so auch als Infektion mal angucken, ne, das fand ich da eine witzige, witzige, das ist cool, da gibt es eine Angst, alle haben Angst in einem System, was werden denn Kinder jetzt sozusagen für Emotionen entwickeln, auch Ängste, weil sie bei allen sehen, die haben alle Ängste, das ist doch total logisch, dass wir das, und eigentlich könnte man doch sagen, man hat sich, die haben sich nur an denen infiziert und das war die Emokokken und dann habe ich gemerkt, es gibt so Meinungen, die rumschwirren, so und so muss man sein, jede Bubble hat eine andere Meinung, man darf kein Fleisch essen oder man muss, Autofahren ist vom Bösen oder irgendwas oder man muss doch auch klettern gehen oder man muss doch, Urlaub fliegen ist Sünde oder andere sagen, wie, du fliegst nicht Business, also in jedem Kontext ist eine andere Wertigkeit sozusagen da vorhanden und dann habe ich so gemerkt, man infiziert sich auch manchmal an den Gedanken und oder an den, das sind die Kognokokken, Gedanken, Kognos, anderer, oder an den Erzählungen anderer, das habe ich dann Narrativokokken genannt und wenn ich so auf uns Menschen gucke, dann wird einem nochmal viel mehr klar und wenn ich ein hohes Selbstwertgefühl habe, dann infiziere ich mich nicht so schnell an den Kognokokken anderer. Wenn es gering ist, fange ich mir wirklich alles ein und das ist wirklich blöd. Deswegen ist für mich die zentrale Arbeit, wenn man jetzt sagt, wenn jetzt jemand, ich bin ja Psychotherapie-Methodenentwickler, auch da frage ich mich natürlich, kann man das noch mehr Komplexität reduzieren.

Worum geht es eigentlich? Es geht in Psychotherapie um Emotionsregulation, also belastende, einschränkende Emotionen zu reduzieren und nicht jede, also eigentlich gibt es keine negativen Emotionen, sondern Emotionen, die störend sind. Denn eine Angst kann ja total hilfreich sein, wenn ich in Gefahr bin. Ist ja nicht negativ dann. Die Angst hat mich gerettet sozusagen.

Oder auch nicht. Sie steht erstmal da. Sie steht erstmal da. Also Emotionen sind nicht per se negativ oder positiv, aber wir erleben sie natürlich dann meistens so. Also Emotionsregulation ist eine wichtige Sache und die andere große Säule ist Selbstwerttraining.

Also das Selbstwertgefühl zu stärken, damit ich den Herausforderungen des Lebens und der eigenen Entwicklung und so weiter und dieser Welt gewachsen bin. Zwei große, es gibt noch mehrere Säulen, aber es gibt zwei der ganz großen Säulen. Weil da würde ich ganz gerne fragen, wie das dann mit dem Training am besten abläuft. Aber du hast gerade eben schon die noch drei übrigen Blockaden in so einem Zustand. Ja, gut, dass du mich da zurückholst.

Alles gut. Erwartungshaltung ist eine, die ist ganz spannend. Das war die letzte, die ich gefunden habe. Ich kann doch wohl erwarten, dass meine Eltern einsehen lässt, aus mir irgendwas geworden ist. Ich kann doch wohl erwarten, dass meine Eltern mich in meinem komplett anderen Weg als sie unterstützen.

Ich kann doch wohl erwarten, dass mein Chef sieht, was ich für ein wichtiger Mitarbeiter, Mitarbeiterin bin, meine Chefin und mich da lobt. Ich kann doch wohl erwarten, dass meine Partnerin, mein Partner, dieses, jenes, das sieht oder tut oder macht. Und inhaltlich sind diese Erwartungen eigentlich ganz oft plausibel. Meistens finde ich es sogar plausibel oder nachvollziehbar so. Aber was habe ich gemacht, dadurch, dass ich eine Erwartung formuliert habe?

Und das ist wirklich vielen Menschen nicht klar. Und ich muss es ja auch langsam mehr als klar machen. Wenn ich eine Erwartung an einen anderen Menschen habe, die inhaltlich durchaus legitim ist oder super überzeugend ist, habe ich ein Ziel formuliert, welches ich gar nicht erfüllen kann, sondern der andere erfüllen muss. Das ist dann wie ein Vorwurf für den anderen, aber bloß ergibt, denen mehr Macht und ich bin dann auch hilflos, weil ich es keinem sei nicht erfüllen kann. Genau.

Also Vorwurf muss es noch nicht sein, aber ich erwarte etwas von dem anderen, was er erfüllen muss und in dem Moment mache ich eine Nichtwirksamkeitserfahrung und gebe im Grunde dem anderen dadurch, weil er muss ja handeln, damit ich zufrieden bin. Und wenn er jetzt nicht handeln kann oder will, hänge ich an seinem Haken. Das ist schon völlig krass irgendwie. Und dann mache ich mich im Grunde ein Stück abhängig von dem anderen. Und das ist das Fatale, das haben wir nicht auf der Platte, dass wir uns abhängig machen durch die Erwartungshaltung.

Wir glotzen immer nur auf den Inhalt und der ist, würde ich sagen, ganz oft lupenrein in Ordnung. Aber ich mache mich durch die Erwartung zumindest ein bisschen abhängig, vielleicht sogar mehr. Ich gebe sogar im Grunde dem anderen Macht über meine Gefühle dadurch, weil ich fühle mich hilflos, ich fühle mich nicht gesehen. Das ist eine narzisstische Kränkung im Grunde auch. Der sieht mich nicht und das passiert auch bei uns.

Ich erwarte was, der andere macht es nicht und ich fühle mich dann nicht gesehen oder gekränkt. Und was ist da der Ursprungsgedanke oder wieso entsteht das? Ist immer schwer allgemein zu sagen. Nein, das ist immer spannend. Da finde ich total genial, die Frage.

Habe ich, wo das entsteht her, noch nicht so tiefgründig drüber nachgedacht. Aber ich glaube, es entsteht dadurch, das Phänomen der Resonanz in der Kindheit. Wenn wir ganz klein sind und noch nicht sprechen können, trotzdem kommunizieren wir ja über Laute und über Gesicht, über Face to Face. Und wenn ich jetzt sozusagen lache und begeistert bin und mache und das wird gespiegelt von meinen Bezugspersonen, dann machen die das Gleiche und dann habe ich das Gefühl, ich habe Auswirkungen auf die gehabt. Weil die haben vorher ja ruhig geguckt und ich mache irgendwas, ich kluckse und das Gegenüber macht das Gleiche.

Damit mache ich eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit und von Resonanz. Der andere ist da, der lebt und ich habe sogar Einfluss auf den. Und wenn ich zum Beispiel weine, dann kommt der und redet ganz anders. Da geht die Stimme von dem ein bisschen runter und sagt, oh, was ist denn? Ich werde in den Arm genommen oder gestreichelt oder so.

Das heißt, ich mache eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit und von Resonanz und das ist die Quelle dieses Erlebens. Und wenn ich sage, ich habe vielleicht mal als Kind erlebt, dass da keine Resonanz kam. Ja? Ich habe vielleicht geweint oder war total glücklich, habe gegluckst, aber es kam keine Resonanz. Das passiert ja immer wieder.

Es sind ja nicht andere da, die Eltern und so. Wenn das zu oft vorkommt. Und ich als Erwachsener jetzt, geht es immer ein paar Jahre weiter, ich erwarte etwas von einem anderen und das kommt nicht. Kann es sein, dass diese alten Muster von nicht gesehen, alleingelassen, nicht versorgt, nicht geliebt, aktiviert werden. Und ich mache eine Nichtwirksamkeitserfahrung, ich mache vielleicht auch eine tiefe Erfahrung, die muss gar nicht bewusst sein, von ich bin hier nicht gewünscht oder nicht geliebt oder es ist irgendwie, irgendwas ist falsch, also das können alle Reaktionen sein, aber oft sind es keine positiven Reaktionen.

Aha. Kann da auch ein bisschen Anerkennung mit reinspielen, dass man zumindest eine soziale Art bestätigt zu werden, dass man doch nicht, dass vielleicht die inneren Prophezeiungen, dass man gar nicht selbstwirksam ist, dass das dann auch ein bisschen gespiegelt wird und dass das ein bisschen die Bestätigung ist nach außen. Ja, also verstehe ich das richtig, dass diese Erwartung vielleicht kommt, gib du mir etwas, was ich mir selbst nicht geben kann? Anerkennung, genau. Als Anerkennung.

Ja, absolut. Ja, ich brauche Anerkennung von jemandem von außen, jeder Mensch braucht Anerkennung, mal ganz klar, ja. Und dann habe ich aber gesehen, dass viele Extremes nötig haben, die Anerkennung von anderen zu bekommen und wenn die dann nicht kommt, gehe ich wieder leer aus. Und wenn man die Menschen aber genau anguckt, dann ist es oft so, dass die Menschen, die Extremanerkennung von außen brauchen, sich selbst ein bisschen, sagen wir mal, an der kurzen Leine halten, was Anerkennung angeht, was Selbstanerkennung angeht. Die sind, die machen das gar nicht mit sich, dass sie sich selbst anerkennen.

Und wenn ich das gar nicht mache, dann bin ich unterversorgt, was Anerkennung angeht. Und dann brauche ich dringend andere, die das machen. Und in dem Moment habe ich mich ja von den anderen ein Stück abhängig gemacht auch. Und das heißt, man erfährt sich nicht als wirksam. Nee, genau.

Ich bin im Moment tatsächlich sogar abhängig von dem Gutwell und von der Wertschätzung des anderen. Ein Stück weit ist es immer alles normal. Das machen wir alle. Du erwartest von mir, dass ich was erzähle, was irgendwie einen Mehrwert hat. Und ich erwarte von dir, dass du ein paar Sachen machst irgendwie.

Also wir können ja nicht ohne Erwartungen leben. Es ist ganz normal, dass wir andauernd über Erwartungen haben. Und wenn die enttäuscht werden, dann kann ich mir auch sagen, alles klar, habe ich vielleicht was nicht berücksichtigt oder sowas. Oder ich erwarte jetzt, habe ich mal in einem Interview gehabt, ich habe es erwartet, dass ich da ganz lange über was reden kann. Und dann sagten die, jetzt kommen die Nachrichten.

Ich war so vorbereitet von, jetzt erzähle ich das mal, das dauert 20 Minuten. Und die sagten, sie haben noch eine Minute Zeit, dann kommen die Nachrichten. Das war eine Live-Sendung. Ja, das war aber meine falsch kommunizierte Erwartung. Ich hätte fragen können, wie lange habe ich denn Zeit für das?

Dann hätte er gesagt, eine Minute. Das ist alles klar, dann würde ich da jetzt nicht so tief einsteigen. Also das ist ja ganz normal. Aber ja, und das Spannende ist eben, dass ich dann gesehen habe, ganz viele Menschen, die es extrem brauchen von anderen, sozusagen die Erwartung erfüllt zu bekommen. Also sieh mich, find mich interessant, find mich nett, find mich schön.

Ich brauche es, dass du mir meine Schönheit, meine Attraktivität, wenn du das mir nicht sagst. Also Kinder brauchen das dringend. Aber wenn ich das als Erwachsener immer wieder brauche, habe ich mich ja von den anderen strukturell abhängig gemacht. Und da ist mir aufgefallen, dass viele von den Menschen, die das so sehr brauchen von außen, das nicht selbst machen. Sich anzunehmen.

Und sich selbst etwas Gutes zu tun. Dann habe ich es auch aus Spaß gesagt. Also jeder braucht übrigens, jeder braucht Anerkennung von außen. Wenn ich mir selbst viel Anerkennung geben kann, es geht nicht um Abfeiern und narzisstisch sich entkoppeln, sondern es geht einfach darum, dass man sich mit seinen Stärken und Schwächen sieht und annimmt. Und sagt, ich finde mich gut, ich mag mich, ich bin auf einem guten Weg, das kann ich nicht, das kann ich gut.

Also eine ganz ausgeglichene, wertschätzende, liebevolle Selbstannahme. Das ist total wichtig. Wenn ich das nicht mache, brauche ich es dringend von außen. Und dann, wer sich aber annimmt total, der braucht das alle sechs Wochen von außen. Dann brauchen wir es schon nochmal, aber alle sechs Wochen sagt, kommt dann wieder was von außen und dann wird der Akku wieder aufgefüllt.

Wer sich selbst gar keine Selbstanerkennung gibt, der braucht das alle viertel Stunde von außen. So. Ja, und das merkt man, ne? Ja. Man könnte ja sagen, ist ja okay, wenn ich es kriege, aber ich habe ein strukturelles Risiko, ich brauche die anderen dafür.

Und es gibt auch andere, die das komplett nervt, dass man immer wieder phishing for compliments übrigens, ne? People-Pleaser. Das ist sozusagen eine Dynamik, die dahinter stecken könnte, ne? Bei People-Pleasern auch. Naja, was ist die Dynamik?

Also wie verstehst du das? Das ist ja ein Begriff sozusagen, den ich ja gar nicht so sagen, bin ja eine andere Generation. Aber wie würdest du das erklären? So ein alter Mann wie mir. Was ist die Dynamik?

Wie verstehst du das, ne? Ich würde sagen, das ist jemand, der nicht ertragen kann, das ist jemand, dem nicht gut geht. Aber ich glaube nicht, dass das eine Sache ist, man möchte aufrichtig helfen, sondern man nutzt die anderen als Methode, sich selber zu regulieren, weil man nicht kann, nicht ertragen kann, gerade diesen Zustand von, von wegen, du musst über das hinwegkommen, dass es mir gut geht, dass ich okay bin. Ja, genau. Genau.

Und da können verschiedene Dynamiken drin sein. Also früher gab es das ja auch als Helfersyndrom. Genau, genau. Ich muss einfach helfen, damit ich meine eigene Hilflosigkeit nicht wahrnehme. Es könnte aber auch sein, dass ich jetzt, also wir brauchen alle Quellen des Selbstwertes, so habe ich das mal genannt, ne?

Brauchen wir, ganz klar. Wenn ich jetzt aber sozusagen wenige Quellen im Leben habe, aber diese Quelle, ich bin hilfreich und ich kann andere retten und helfen, dann, wenn das die einzige Quelle meines Selbstwertgefühls ist, dann bin ich abhängig von der Quelle. Das meine ich damit eben, ne? So. Und das ist ja alles okay, aber solange man noch gut klarkommt, mit seinem Modus in der Welt zu sein, ist ja kein Problem.

Aber wenn mir das jetzt wegbricht, wenn jetzt zum Beispiel die Person, die ich anderen retten will, irgendwann mal selbst sich entwickelt und sagt, pass mal auf, das nervt, dass du mich mehr retten willst, ne? So. Brauche ich nicht. Danke. Weil wenn ich einen rette, dann unterstelle ich dem ja auch, dass er das alleine nicht hinkriegt.

Das ist ja im Grunde eine Destabilisierung des anderen im Grunde, ne? Ja. So, wenn derjenige sagt, danke, ich habe jetzt Therapie gemacht oder mir ist was klar geworden oder so, ich brauche das jetzt nicht mehr. Kannst du einmal im Jahr machen, ne, nehme ich gerne mit, aber nicht jeden Tag. So, ne?

Jetzt ist diese Quelle jetzt mir weggebrochen. Erstmal fühle ich mich wieder nicht gesehen von dem anderen. Ne? Ich habe dich doch immer retten dürfen, ich war doch immer hilfreich für dich. Wieso willst du denn das nicht mehr?

Und dann sehe ich als jemand, dem das total wichtig ist, das ich retten und helfen kann, dann sehe ich gar nicht, dass der sich gerade selbst geholfen hat. Was ja eigentlich super ist, dass der keinen mehr von außen braucht, ne? Aber ich bin jetzt, ich habe, ich werde nicht mehr genug gebraucht. Ich bin arbeitslos. Ja, arbeitslos in dem Moment, ne?

Und das kann jetzt echt was mit meinem Selbstwert machen. Was habe ich eigentlich für eine Existenzberechtigung? Was habe ich eigentlich für eine, für eine, so? Und da muss man ja nicht gleich verzweifeln und depressiv werden. Also man kann ja an allem arbeiten, ne?

Dann können wir mal gucken, okay, das, und ich finde das übrigens auch cool, da habe ich jetzt mal trainiert und Helfer-Syndrom haben viele, übrigens viele Therapeuten hatten ein Helfer-Syndrom und sind deswegen Psychotherapeuten geworden. Das ist völlig okay, wenn man damit in den Beruf reingeht. Wirklich. Aber man sollte es dann im Laufe der eigenen Entwicklung dann aber auch relativ zeitnah mal überwinden. Also wenn ein Therapeut noch nach Jahren ein Helfer-Syndrom hat, dann ist der auch nicht hilfreich für die Leute.

Ne? Dann ist der nicht hilfreich, weil wenn Leute dann sagen, danke, ich brauche Sie nicht mehr, das war super bei Ihnen hier, dann fühlt er sich gekränkt. Das geht nicht. Ja. Das darf der nicht.

Also er muss sagen, toll, dass Sie gehen. Ich habe ja jetzt eigentlich gedacht, dass Sie noch ein Jahr kommen, aber wenn Sie jetzt gehen, umso besser. Melden Sie sich, wenn Sie mal haben sollten, aber wenn Sie sich nicht melden, finde ich es auch super. Das wäre eine Haltung der Unabhängigkeit, der Freiheit. Und das ist dann auch eine Sache bei dem Oedipus-Komplex von Freud, weil ich habe mal das Sprichwort gehört, wenn zu Hause das schönste Ort ist, dann wirst du es ja nicht verlassen.

Absolut. Interessante Überlegung. Es ist ja schön, wenn es zu Hause schön ist. Ja. Aber dafür haben wir ja die Pubertät.

Irgendwann muss man sagen, ist es total schön hier gewesen, aber jetzt habe ich so komische Leute da, diese Eltern, die wirken ganz komisch jetzt gerade, scheiße auch irgendwie. Und es ist auch langweilig, total lame zu Hause und ich muss jetzt mal raus in die Welt. Das ist ja gesund und richtig. Ja, ja. Da muss ich auch ihre Meinung mal scheiße finden.

Früher war ich ja stolz vielleicht auf meinen Papa und meine Mama und jetzt denke ich, es ist alles cringe, was die sagen und ich finde die doof und halt die Fresse und bis hin dazu, also dass die Eltern dann beleidigt werden. Ist ja wichtig, um sich selbst, ich habe ja selbst auch Kinder, mir ist klar geworden, die Funktion der Pubertät ist doch eigentlich auch, das war mir vorhin nicht so klar, sich selbst zu beweisen, dass man seelisch und physisch auch alleine überleben könnte. Ja, ja, das stimmt. Das ist ja wirklich. Und das kann ich, super dadurch, dass ich die auch, dass ich irgendwie scheiße zu denen bin oder so, dann sehe ich, die finden mich jetzt vielleicht auch gar nicht mehr so klasse oder die sind jetzt irgendwie genervt von mir, aber ich halte das aus.

Ich halte das aus, dass die mich scheiße finden vielleicht sogar oder dass die ärgerlich sind, dass ich so und so unterwegs bin oder so. Also ist ja eine super wichtige Entwicklungserfahrung. Und da haben wir auch dann die Art von Selbstwirksamkeit, dass man auch Ja, klar, das ist irre. Genau, ich gehe dann lange Party machen und ich musste eigentlich um zwölf zu Hause sein. Ich sage, scheißegal, ich komme erst um zwei.

Gibt es aber ein bisschen Betriebs und Ärger und so, aber ich habe mir bewiesen, ich kann entscheiden, ich entscheide selbst, was ich mache und wann ich komme und so. Und das ist ja richtig. Also wenn ein Achtjähriger das sagt, ich entscheide selbst, wann ich nach Hause komme, dann ist es, passt nicht so in die Entwicklungsphase und wäre auch mit ein paar mehr Risiken verbunden sozusagen. Ich gehe noch in den Club, sagt die Achtjährige, jetzt haben wir noch ein bisschen was zu tun. Da würde man schon sagen, oh, da ist Kindeswohlgefährdung am Start.

Also es muss ja immer zu den Entwicklungen passen. Aber wenn jetzt jemand 35 oder 40 ist und immer noch sich massiv abgrenzen muss gegen die Eltern, dann würde man schon auch beleidigend ist und sowas und so, da müsste man schon auch sagen, Mensch, ey, so, also, ist das jetzt noch wirklich so nötig? Oder was, Hausaufgaben hast du eigentlich selbst nicht gemacht, dass du das in dem, ja doch schon höheren Alter, noch brauchst. Das liegt nicht nur an mir als Person. Es gibt Eltern, die das gar nicht zulassen, also die übermächtig sind und die halten es auch nicht aus, wenn jemand, das 45-jährige Kind, die sagen dem immer noch, das kannst du nicht, lass mal sein, komm mal her, also da hat das Kind jetzt eine Professur, ja, so dann sagt der ältere 70, 80-jährige Vater, vielleicht komm mal her, ich erkläre dir mal, was du da machen musst, so, nicht, dass du da was falsch machst, also wo man so denkt, hallo, ey, du bist, ich hab das da gemacht, nicht du, ne, ja, ja, dann wird es dann hochinteressant natürlich, ne, ja, ja, das stimmt, das ist sehr interessant und ich meine, das bringt uns jetzt dann auch zum, zur Altersregression, zur vierten, wow, das ist der nächste Punkt, der vierte, ne, genau, genau, ich glaube, du bist super vorbereitet, das ist auch ein krasses Ding, diese Altersregression, ne, was ist das, also wir, das ist was, ich kann vielleicht mal sagen, wie ich es verstanden habe, das ist, wenn, also es ist ja auch eine Big-Five-Blockade, das heißt, wir haben ein gewisses Ereignis, was eine Emotion auferweckt oder sich erstmal nicht gut anfühlt, aber es ist noch, es ist noch sehr lange und vielleicht auch alt da und es kann sein, dass man in diesem Zustand von wegen, das erinnert mich gerade an damals, wo ich zwei Jahre alt war, da ist das und das passiert, aber man ist nicht in der Lage, aus diesem Zustand heraus zu sehen oder zumindest reflektiert zu betrachten aus dem heutigen Ich, weil man steckt immer noch in der damaligen Zeit fest und es fühlt sich so an, als ob man noch klein ist.

Ja, absolut, genau, finde ich, das hast du ziemlich gut beschrieben. Ich bin da drauf gekommen durch ein Auftrittscoaching, ich habe ja Mitte der 90er Jahre angefangen, Menschen zu coachen, die gestresst sind bei Auftritten und ganz viele klassische Musiker, weil die Klassik eben so ein enges Format ist, da ist man oft aufgeregt, viel mehr als im Jazz oder in der Rockmusik oder Pop oder sowas, oder Rap, so. Und dann sagte eine Geigerin, sie hat so Stress beim Spikato, das ist so ein springender Bogen, da springt der Bogen so über die Geige, das klingt so ganz so Staccato-artig dann, Spikato, Staccato, Spikato, springender Bogen und dann sagte sie, da hat sie totale Angst bei, totale Angst, dass das nicht geht und so und dass das, dass die Kollegen sehen, dass sie das nicht kann in dem Moment und sowas und dann sagte ich, interessant, wie alt fühlen sie sich denn eigentlich in dem Moment, wenn sie so Angst haben, das Spikato, Spikato zu spielen und dann hat sie überlegt und sagt, ich glaube, ich fühle mich wie acht in dem Moment. Die ist 39 gewesen, ich glaube, ich fühle mich wie acht in dem Moment. Sag ich, das ist ja interessant erstmal, wann haben sie denn mit der Geige angefangen?

Sagt sie, mit neun. Cool. Das heißt, die fühlt sich in dem Moment wie jemand, die acht ist und die gar nicht weiß, was man mit so einem Kasten und so einem Bogen macht und dann kommt Angst, weil mit acht war sie auch überfordert und auch mit neun, zehn oder elf kannst du noch nicht Spikato richtig, das ist ja technisch eine gewisse Herausforderung, motorisch eine gewisse Herausforderung und dann war die Erklärung, meine Hypothese war, die hat Angst, weil sie eigentlich in dem Moment all das Regression hat, also Regression heißt, man fühlt sich kleiner, als man ist und dann habe ich gesagt, sagen Sie mal, Sie haben doch jetzt 39 Jahre Lebenserfahrung als gestandene Musikerin, Künstlerin, Geigerin und Sie haben 30 fette Jahre Geigenerfahrung, 30 Jahre Erfahrung an der Geige, krass, was ist denn anders, wenn Sie sich das bewusst machen, wenn Sie sich bewusst machen, 30 Jahre Geigenerfahrung, 39 Jahre Lebenserfahrung, das war die, für Sie neue Information, das hat sie auf sich wirken lassen, hat so 20 Sekunden nachgedacht und dann sagt sie, fing sie an zu lachen und sagt, ja dann kann ich alles spielen, kann ich alles spielen, völlig entspannt, wenn ich mir das klar mache, das heißt, die Angst war sofort weg, das heißt, sie musste, also sie konnte eigentlich eine Angst nur aufrechterhalten, indem sie geschrumpft ist und das ist echt faszinierend, was passiert bei diesem, ich nenne das Schrumpfen, auch so ein bisschen sportlich, wir fühlen uns wirklich jünger, als wir sind und das ist aus hypnotherapeutischer Sicht eine Trance-Induktion, ich bin hypnotisiert und gucke jetzt wirklich durch die Augen eines kleinen Kindes in die Welt und mein Gehirn weiß nicht, dass ich jetzt 62 bin, ich denke jetzt vielleicht wirklich, oh, hoffentlich fragt er mich nicht so was Kritisches, der Gabriel, nachher weiß ich da keine Antwort drauf, dann geht die Stimme auch hoch in dem Moment bei den Menschen und du hörst richtig, hallo, der spricht da gerade eigentlich, ganz spannendes Phänomen, also wir sind im Grunde fluide, was unser Alterserleben angeht, das kann auch positiv mal sein, dass man sich viel jünger fühlt, als man ist, und vitaler sozusagen, obwohl man schon älter ist, aber ganz oft, wenn es um Leistung geht oder Sichtbarkeit von anderen, dann ist es oft auch stressend und das gibt es übrigens, das finde ich ganz spannend, dass der Volksmund das sogar kennt, dass der Volksmund sagt nämlich, wie hast du dich da gefühlt bei einer Prüfung oder bei einer, ich war so klein mit Hut, sagt der Volksmund, so klein mit Hut und ich weiß gar nicht, wann dieser Spruch in die Welt gekommen ist, aber das beschreibt genau dieses Phänomen der Altersregression, krass, wow, wow, wow, wow, echt krass, Sache, wow, also dass das, aber vor allem, dass das auch einfach universell erfahrbar ist, ja, absolut, dass das Menschen einfach erfahren können, dass es ein Phänomen ist, absolut, die Zuhörerinnen und Zuhörer können sich jetzt mal fragen, wann, da hat ja jeder mal erlebt, dass man Auftrittsangst hat, Auftrittsstress, da finde ich es am schönsten nachvollziehbar, man soll ein Gedicht aufsagen oder Bewerbungsgespräch oder eine Prüfung oder sowas, denk doch nochmal daran, wenn du aufgeregt warst, wie alt hast du dich denn da gefühlt, so alt wie du da warst oder ein Hauch jünger, es muss nicht gleich Kindheit sein, aber kann ein, zwei Jahre jünger sein, ne, und die meisten sagen, stimmt eigentlich, dass wenn sie jetzt, wo ich das so höre, wenn ich jetzt, wo ich erstmals darüber nachdenke, merke ich so, ich habe mich echt jünger gefühlt, und wie kann man das dann lösen? Das ist im Grunde ein Bewusstwerdungsprozess, wenn du jetzt zum Beispiel sagst, du bist jetzt, du bist selbst als Podcaster mal eingeladen bei einem Superpodcast, mit so eine Million Klicks und alle super wichtigen Leute gucken zu, dann könnte es ja durchaus sein, dass du aufgeregt bist, weil man gut sein will, weil man Stress hat, irgendeinen Scheiß zu erzählen und sowas, dann merkst du vielleicht, dass du aufgeregt bist und dann würden wir genau gucken, und dann ist es einfach unheimlich oft so, dass man dann in dem Moment ein bisschen geschrumpft ist. Warum?

Weil dieser Auftritt wie eine Prüfung wahrgenommen wird. Ich muss beweisen, dass ich was kann und andere bewerten dann, ob es gut war oder nicht und dieses Muster, das kennen wir aus der Schule, andere bewerten und ich muss leisten, zack, jetzt hast du vielleicht eine Altersregression und fühlst dich nicht mehr wie 24 bist du, glaube ich, ne? Ja, ja. Genau, fühlst dich nicht wie 24, sondern wie, vielleicht wie 12 oder 13 und das war vielleicht eine Zeit, die auch kacke war, ja, weil 12, 13 gab es vielleicht einen Schulwechsel oder so oder war irgendeine Zeit, wo du so selbstpersönlich die Erfahrung gemacht hast, kacke, das läuft hier alles gar nicht gerade und jetzt fühlst du dich vielleicht als Gast in diesem Podcast wie 12 oder 13 und dann war das noch eine Scheißzeit und du kriegst aber nicht mit, dass du gerade geschrumpft bist. Ja, ist doch klar, wie du da performst jetzt, ne?

Und das Gegenmittel wäre jetzt mal, du bist so 24, oder? Du hast ja wahnsinnig viel Zeug schon im Leben gemacht, ne? Du hast eine Ausbildung, hast einen Podcast aufgebaut und sowas, krasse Sachen, ne? Also, finde ich ja spannend, so, mach dir das mal klar, schreib dir eine 24 irgendwo hin, ne? So.

Ja. Jetzt gehst du da hin und sagst 24, ne? 24, cool, ne? Ein Vierteljahrhundert. Hammer.

Also, die gucken einfach anders da drauf jetzt, ne? Zack, und wie fühlst du dich jetzt? Ja, das macht auf jeden Fall einen Unterschied und vor allem, ich merke schon, bei diesen Blockaden kommt es immer wieder auf diesen Punkt von Wirksamkeit, Selbstwirksamkeit zurück. Ja, das ist ja eine der großen Disziplinen, also einer der gesund erhaltenden Resilienzfaktoren von uns Menschen und auch ein großer Faktor von psychotherapeutischer Wirksamkeit. Wenn die Selbstwirksamkeit von uns Menschen gestärkt wird, tut uns das gut.

Übrigens kann es sogar sein, dass wir komplett abdrehen, in eine ganz schräge Richtung, einfach nur um eine Selbstwirksamkeitserfahrung zu machen. Das kann, das hat auch, das kann einen Schatten haben, ne? Dass ich irgendwann, einfach nur um handeln zu müssen, ne? Zerschmeiße ich das Porzellan, weil ich mich dadurch handelnd erlebe. Aha.

Oder guck mal, das Stockholm-Syndrom, du wirst entführt, das sind Entführer, du bist komplett ausgeliefert, die bringen dich vielleicht sogar um. Ja? Das ist eine extreme Not, extreme, lebensbedrohliche Belastung. Die wollen dir nichts Gutes, die nehmen dich mit und entweder du kriegst löse Geld oder du bist platt. Was passiert oftmals mit den Leuten, die entführt wurden, ne?

die nehmen Beziehungen auf, zu den Entführern und da kommen sogar teilweise Sympathien auf und das nennt man Stockholm-Syndrom sozusagen, ne? Das ist ein Überlebensmodus, also ehe ich jetzt, mich andauern, von morgens bis abends ausgeliefert fühle, gehe ich lieber in den anderen Modus und sage, ihr seid eigentlich auch coole Typen irgendwie, ich bin auch so gegen diese Gesellschaft und mein Vater ist echt schon auch, das ist ein Kapitalist, da habt ihr recht und so, und da könnte es durchaus sein, dass man da jetzt, oder anderes Wording, ne? Aber dass man irgendwie mit denen kooperiert, um zu überleben. Also das finde ich ganz spannend und was, wenn man das sich klar macht, warum war denn das nötig? Ja, um eine Selbstwirksamkeitserfahrung zu machen.

Deswegen ist ja auch, wenn Kinder oft entwertet werden von Eltern, ne? Oder von Erwachsenen, dann sagen die oft, ja, ist richtig, ich bin auch böse und ich bin auch nicht gut. Und dann bestätigen sie das, aber in dem Moment machen sie eine Selbstwirksamkeitserfahrung. Ich finde mich ja auch scheiße. Ne?

Das ist, das ist eigentlich verrückt, ne? Aber ich mache eine Selbstwirksamkeitserfahrung, weil ich habe auch gesagt, dass ich scheiße finde. Ich finde übrigens, dass ich scheißiger bin, als jeder sagt. Ne? Damit habe ich eine ganz große Selbstwirksamkeit.

Weil Selbstwirksamkeit ist wirklich wichtig. Autonomie und Selbstwirksamkeit sind so, sind so innere, mal Kräfte, die müssen wir im Grunde leben und wenn wir die nicht leben können, dann können die auch mal fehlgeleitet sein, ne? Wow. Wow. Ich finde das, ich finde das wirklich sehr interessant.

Das ist, also, ich fand das schon sehr interessant, wo ich mich da ein bisschen eingelesen habe, um auf das Gespräch heute und jetzt entstehen da einfach überall neue Verbindungen. Ich finde das wirklich sehr interessant. Ja, ja. Ja, ja. Was mich jetzt noch interessieren würde, gibt es für diese Back-5-Blockaden, gut, ich nehme an, es ist immer im Individuum zu betrachten und vor allem, wir werden jetzt auch hier keinen therapeutischen Ratschlag geben, das werden wir nicht.

Genau. Bloß, wie kann man vielleicht irgendwas an die Zuhörer geben, um zu sagen, so, du hast trotzdem mit dieser Methode, hast du es ein bisschen besser? Naja, Methode, ich würde das sogar loslösen von der Methode, weil eine Methode ist erstmal nur eine Verbindung und bestimmte Algorithmen sind da definiert und sowas. Ich würde ganz an der Phänomenologie bleiben, der Big Five, und das ist schon hilfreich, wenn man sich klar macht, und das ist ja oft, machen wir das ja automatisiert, wir machen es schon lange, wir sind ja nicht der Beobachter, der von draußen sagt, ist dir eigentlich mal aufgefallen, dass du dir wahnsinnig viele Selbstvorwürfe machst, das machen wir doch nicht. Weil wir ja in uns drin sind, wir brauchen einen Externen, der von außen drauf guckt.

Und dann müsste der noch wohlwollend sein und für uns, uns in unserer Entwicklung fördern wollen. Wenn ich einen kritischen Außenbetrachter habe, der sagt vielleicht was ganz anderes. Und das ist ja diese Selbsterkenntnis auch letzten Endes. Aber wenn ich jetzt höre, okay, es scheint so zu sein, dass Selbstvorwürfe einem Menschen nicht gut tun. Was mache ich eigentlich mit mir?

Diese Reflektionsleistung, die kann man natürlich bringen. Und dann kannst du ja selbst entscheiden. Ich würde niemals für andere entscheiden wollen. Ich kann nur sagen, statistisch gesehen, und meine Erfahrung ist, dass das den allermeisten Menschen überhaupt nicht gut tut. Wie ist es mit deinem Selbstverwurf?

Tut der dir gut oder nicht? Und da werden ganz viele Leute sagen, nee, tut er echt nicht gut? Das finde ich ja klasse. Was wäre denn das Ziel? Ja, irgendwie wohlwollend und liebevoll auf sich zu schauen.

Und da gibt es natürlich dann Strategien, wie man da hinkommt. Das ist dann Therapie vielleicht oder Coaching. Aber erstmal kann man schon sagen, der Wechsel, wohlwollend auf mich zu schauen oder mich einfach mal als Menschen zu betrachten oder die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen einfach mal auf mich anzuwenden. Kann es sein, dass ich anderen Vorwürfe mache, die mich gar nicht empowern, sondern schwächen? Man muss auch gar nicht gleich was ändern, aber erstmal wahrnehmen.

Ja, klar, interessant. So, nicht gleich handeln. Erstmal wahrnehmen und gucken, ah, spannend, jetzt beobachte ich mich die nächsten Tage. Mein kleines Experiment, ein kleines Forschungsdesign. Ich beobachte mich mal, wem ich alles Vorwürfe mache und ob die mich stärken oder schwächen.

Da bist du doch schon. Und du änderst dann an deinem Automatismus in dem Moment was. Ja, ja. Ganz spannend so, welche Erwartungen habe ich eigentlich und wie gehe ich damit unbedingt, wenn die nicht erfüllt werden? Auch spannend.

Der Frust, der Zungstoleranz geht es dann so. Und dann, ja. Ich würde eben, kannst du jeden Tag einen anderen Big Five oder jede Woche einen anderen Big Five. Und jetzt gucke ich mal, wann ich heute so insgesamt schrumpfe mal. Und das habe ich ja selbst erlebt, dass ich andauernd geschrumpft bin.

Und dann habe ich realisiert, dieses Schrumpfen, das korreliert mit so einem komischen Körpergefühl. Ich habe mich da so gefühlt. Und irgendwann habe ich mich auf dieses Körpergefühl geankert. Ich habe dann immer, wenn dieser Körper wieder so reagiert hat, gemerkt, ha, schrumpfe ich gerade wieder. Und dann war das wie ein Erinnerungsanker, sozusagen.

Und dann habe ich echt gemerkt, schrumpf gerade, ist das krass. Und dann natürlich schrumpfe ich da, wo es irgendwelche Leute gibt, die ich irgendwie idealisiere oder wo ich denke, die sind ja viel klüger als ich. Oder so. Ich bin ja Hauptschüler, weil das nachgeholt oder so. Solche Sachen haben dann dazu geführt, dass ich geschrumpft bin.

Und dadurch konnte ich dann mir sagen, aber Moment mal, ich habe da alles nachgeholt, das musst du erst mal machen. Ist ja auch cool. Und dann habe ich gesagt, ich halte hier einen Vortrag zu einem Thema, wo nur ich eigentlich Experte bin. Also selbst wenn die erfahrener sind und geile Typen, aber das Thema habe ich mir nun mal genau angeguckt. Ja.

Dann konnte ich mich da aus der Altersregulation rausholen. Das ist cool. Weil das sind ja diese ganzen Self-Beliefs und die sind immer sehr subjektiv. Jetzt ist mir gerade nur ein Punkt eingefallen. Zu Punkt drei, die Erwartungshaltung.

Ja. Da gab es ein Sprichwort, das hat es für mich auch deutlich gemacht, wie toxisch das sein kann. Also auf Englisch war das. Unspoken Expectations are premeditated resentments. Ja.

Dass das, was wir nicht sagen, dass das, was wir erwarten, immer automatischerweise, wenn das vielleicht da nicht dazu kommt, vielleicht auch nicht immer, aber in großer Wahrscheinlichkeit irgendwann einfach eine gewisse Art von Vergeltungsgedanke wird. Absolut, ja. Also viele sagen auch, die Erwartungshaltung und der Fremdvorwurf, das ist doch das Gleiche, sagen viele. Nee, das stimmt nicht. Stimmt nicht.

Also mal ganz klar, deutsche Sprache, schöne Sprache. Erwartung, da steckt das Wort Warten drin und Vorwurf steckt das Wort Wurf drin. Das heißt, der Vorwurf ist ein aggressiver Akt, ich werfe etwas. Während das Erwarten, ich warte, ist ein passiver Akt. Ist das nicht krass?

Ja. Und jetzt kann ich auf eine Erwartung, die nicht erfüllt wird, wenn ich eine gewisse, sagen wir mal, Stabilität habe, durchaus mit einem guten Fremdvorwurf reagieren. Es kann aber auch sein, dass ich mir einen Selbstvorwurf mache. Oder dass ich in die Kapitulation gehe und denke, ja, dann wird das halt nicht erfüllt. Ich bin halt auch so uninteressant.

Meine Sachen werden auch nicht erfüllt. Ich bin so unwichtig. Dann gehe ich in unsere Selbstlimitation rein. Also erstmal ist die Erwartung nicht unbedingt geankert an unbedingt Fremdvorwurf machen müssen. Das ist oft der Fall, ja.

Also man könnte sogar auch sagen, es gibt gar keinen Fremdvorwurf, ohne dass dahinter nicht irgendeine enttäuschte Erwartung steckt. Das muss man schon sagen. Aber manchmal findet man die gar nicht mehr. Ja, ja. Und wenn ich das jetzt so an die Zuhörer da mitgeben kann, ist vor allem, also das würde ich jetzt machen, würde mir das jetzt auffallen, wäre ich Zuhörer.

Um selbstwirksam zu sein oder um das zu erfahren, würde ich mir immer versuchen, bewusst zu machen, durch achtsames Lernen, sagen wir es so, dem bewusst zu werden, was man eigentlich einem sagt. Und jetzt ist mir eingefallen, was ich doch sagen wollte. Siehst du, jetzt kommt es. Es gibt, jetzt kommt es. Es gibt einen klinischen Psychologen aus Kanada.

Ich weiß nicht, ob du Jordan Peterson kennst. Nee. Ich glaube, du könntest dir ein paar Sachen von ihm anschauen auf YouTube. Und das sind, von ihm bin ich sehr, sehr viel beeinflusst worden. Und das ist auch ein Psychotherapeut, der einem im Endeffekt auf einer guten Art und Weise, moralischen Art und Weise beibringt, wie man sich doch selber immer verbessern kann.

Und das ist, ich finde da wirklich revolutionär, was er gemacht hat. Leider liegt er gerade im Krankenstand. Aber er hat vor Jahren so viel Wertvolles und ich habe so viel gelernt durch ihn. Und was er selber sagt, ist das mir auch aufgefallen, dass wenn man Sachen sagt, die einen schwächen, merkt man das im Körper. Ja, absolut.

Und zum Beispiel ein Punkt war, dass man sich selber beobachten soll und schauen soll, was für Sachen sind das, die ich mir sage und wann habe ich das Gefühl. Ja, das ist ja Achtsamkeitsübung, genau. Genau. Und im Umkehrschluss, sagt er, versuch mal die Wahrheit zu sagen oder nicht zu lügen. Und das Lustige ist, seitdem ich das wirklich praktiziere und wirklich bewusst versuche, das so wahr zu sagen, wie es ist, habe ich auch wie ein Gefühl, dass, genauso wie du es beschrieben hast, irgendwie im Magen oder so etwas, überschwächt mich, habe ich das Gefühl, dass ich stärker werde dadurch, wenn ich etwas genau so sage, wie ich es sagen möchte.

Also, dass es wie so eine Art Konkurrenzbewegung macht. Genau. Ja, spannend. Ja. Das ist wie so ein autonomes Erleben oder Phänomen ist an sich.

Ja, ja, weil man lernt sich ja besser kennen. Erkenne dich selbst. Also, das ist das Orakel von Delphi im Grunde. Ja, ja, ja. Werde, die du bist.

Genau. Und da kommt dann diese Philosophie von wegen, wo er sagt, wenn du vielleicht dann, wenn du vielleicht glaubst und wirklich aufrichtig glaubst daran, dass, wenn du die Wahrheit sagst, das Beste passieren wird, was passieren soll, ja, schau doch mal, was passiert. Oder wenn du das vielleicht ein, zwei Jahre machst, wo bist du dann? Ja. Und das ist dann so eine Message, die, die kann einem Hoffnung geben.

Das kann, das stimmt. Und gleichzeitig stimmt auch, dass manche Leute sagen, ich bin nichts wert und das ist die Wahrheit. Ich spüre es doch. Weil sie gar nichts anderes kennengelernt haben. Da muss man sich, muss man aufpassen, dass man, man darf sich auch nicht alles glauben, was man über sich denkt.

Weil das Denken ist komplett korrumpierbar. Unser Denken ist komplett korrumpierbar. Von daher würde ich die Big Five, wie du das eben angeregt hast, auch als gutes Tuning-Tool, um zu gucken, wer bin ich eigentlich, was passiert mir da eigentlich? Ah, interessant, ich habe da heute einen Vorwurf, ich schrumpfe da gerade. Und immer das Gegenmittel machen.

Also wenn ich jetzt schrumpfe, wie alt bin ich wirklich? Was habe ich schon alles erlebt? Was habe ich schon alles erfahren? Was für einen Unterschied macht das, wenn ich so jetzt auf die Welt gucke oder auch in der Situation bleibe? Vor allem, das kann man ja entscheiden.

Das ist das Coole. Man kann das machen. Und das finde ich, das hat mich auch immer an gute Plätze gebracht, einfach das zu glauben, dass man selber ja immer etwas tun kann. Oder zumindest, egal wie schlimm es ist, das kann immer noch schlimmer sein. Und du kannst vielleicht so einen ganz kleinen Schritt nach vorne machen, aber der ist immer noch besser, als da, wo du warst.

Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Und das ist doch unglaublich. Und jetzt würde ich dann abschließend noch zum letzten Thema kommen, nämlich Selbstwert. Das haben wir ja vorhin angeschnitten. Ja.

Was, verstehst, gut, wir haben vorhin gesagt, Selbstwert ist der Filter, durch den wir, die Wahrnehmung, die auf uns gerichtet ist, Sachen, die auf uns gerichtet sind, die Wahrnehmung, dass wir ein Filter, und davon haben wir bestimmte Glaubenssätze, aber auch Narrative. Ja. Genau. Und was für Methoden gibt es da? Methoden sage ich jetzt schon wieder, oder Möglichkeiten.

Okay, ja, ja. Also erstmal, an dem Thema finde ich erstmal ganz, also wo kommt das her, Selbstwert? Also man kann schon über die Terminologie sprechen und diskutieren. und wo kommt das her? Es gibt genetische Komponenten.

Ja, gibt es. Muss man sagen. Aber die entscheiden nicht alleine, weil ob eine genetische Information sich durchsetzt oder nicht, hat jetzt wieder mit epigenetischen Informationen zu tun. Und das ist Umwelt auch und Beziehung. Also kann ja durchaus sein, dass ich ein bisschen genetisch gesehen mitbekomme, bei uns haben alle kein hohes Selbstwertgefühl.

Das heißt aber nicht, dass ich das nicht hinkriege. Es kann auch sein, wenn tendenziell die Leute ein höheres Selbstwertgefühl haben, kann es aber sein, dass ich es trotzdem nicht hinkriege, weil ich so viele limitierende Faktoren an Bord habe. Also deswegen gucke ich mir die genetischen Komponenten nicht so sehr an, sondern nur die, die ich durch die Entwicklung erlebt und erlebt habe und die ich auch verändern kann. Selbstwertgefühl finde ich einen schönen Begriff, weil er die Menschen erreicht. Und den Begriff Selbstwerttraining finde ich gut, weil das schon klar macht und die Implikation hat, man kann das trainieren, man kann das verändern.

Und mein Selbstwertgefühl wird sozusagen zusammengebaut konstituiert durch die Art und Weise, wie ich denke, fühle und handle. Diese drei Komponenten, denken, fühlen und handeln. Der größte Part hat wahrscheinlich das Denken. Also ich denke über mich, ich kann nichts, ich bin nichts, bin zu langsam, bin zu dick, habe nicht die Intelligenz, habe kein absolutes Gehör, komme nicht aus einer Familie, wo alle schon studiert haben oder irgendwas. Das ist das Denken, das Fühlen.

Wenn ich immer wieder Gefühle von Scham oder Angst habe und da nichts gegen mache mittelfristig, dann werde ich dadurch unterm Radar bleiben. Oder wenn ich ein schlechtes Gewissen kriege, ist ja auch so eine Gefühlsthematik. Ein schlechtes Gewissen kommt oft, wenn ich was mache, was anderen nicht vergönnt war in meinem Familiensystem. Also Loyalitäten haben wir noch nicht. Punkt 5, könnte man vielleicht noch mal kurz hingucken.

Stimmt, ja. Ist okay, aber das ist auch das Komplizierteste. Das ist wirklich ein bisschen kompliziert, deswegen passt es super, jetzt schon mal auf Selbstwert zu gucken. Das konstituiert mein Selbstwertgefühl. Die Art und Weise, ich denke, fühle und wie ich handel.

Also Handeln ist, ich rede vielleicht anderen rein. Das kenne ich ja, ich unterbreche Leute, das will ich nicht. Der lässt die Leute gar nicht ausreden. Ich kriege das gar nicht mit im Zweifel sogar. Oder auf einer Tagung habe ich dann, ich bin ja Veranstalter einer großen Tagung, da hatte ich einen Referenten, den fand ich super, so einen jungen Kollegen.

Und dann habe ich da gesessen und andauernd gesagt, ja super und da habe ich auch schon dran gedacht und so. Und dann hat ein Typ neben mir gesagt, ey, melden, merkst du nicht, die melden sich alle hier. Und ich so, scheiße, ich habe überhaupt nicht mitgekriegt, die ich melde. Und ich wollte nicht fies sein, ich wollte keinem anderen zu nahe treten. Gerade als Veranstalter muss man sich ja ein bisschen, sagen wir mal, ordentlich benehmen.

Aber ich war so begeistert von dem Referenten, dass ich komplett diese Konventionen über, ich bin, wahrscheinlich war ich dort am begeistersten von allen da und deswegen habe ich nicht mitgekriegt, dass noch andere im Raum sind. So, also war nicht böse. Ich fand den Typen, der das da gesagt hat, ein bisschen, naja, dachte ich so, kann man auch netter sagen so. Aber ich dachte, er hat ja recht. Und eigentlich war ich sogar dankbar, weil ich habe es gar nicht mitgekriegt, dass ich da reinrufe.

Und das ist so eine typische Sache von so Leuten mit so einem schnellen, kreativen und Fokus gehören. Mein Fokus war geiler Scheiß. Der hat so spannende Sachen erzählt, zu Verschwörungserzählungen war das. Der hat da Beratungen gemacht mit Leuten, die so abgedriftet sind in so Verschwörungserzählungen. Und der hat das so auf den Punkt gebracht.

Ich hatte viel dazu gelesen, aber ich habe noch niemanden gehört, der das so geil erklärt hat. Und dann war ich komplett geflasht von dem. Ja, gut, und dann habe ich halt nicht mich gemeldet, wie das in der Klasse. Dann macht der Herr Lehrer, und Schnipsen ist ja auch schon, Schnipsen ist ja auch schon eine Impulskontrollstörung. Man muss ja so sitzen und zwei Stunden warten, bis man drankommt.

Ja, da habe ich doch Bluthochguckt in der Zeit. Ja, da gefährde ich meine Gesundheit, wenn ich das so mache. So. Also, wie sind wir darauf gekommen jetzt? Weiß ich gar nicht.

Was hattest du gefragt, dass dir das jetzt eingefallen ist? Das war einmal fühlen, denken und handeln, wie wir das sehen. Handeln, genau, handeln. Danke, handeln, handeln. Ich habe jetzt gehandelt auf eine Art, wie es ja peinlich sein könnte für mich.

Jetzt kann ich auch nach Hause gehen und sagen, oh, ist das peinlich, ich habe da reingerufen, jetzt mögen die mich nicht. Also, das könnte ja durchaus zu einem Selbstwerträuber werden. War es jetzt bei mir nicht, aber könnte es werden. So, ne? Und jetzt machen wir eine Analyse auf der Ebene des Denkens, fühlen und handelns, gucken, welche Selbstwerträuber haben wir am Start.

und die werden dann transformiert in Selbstwertspender. Also, im Grunde machen wir, da gibt es natürlich ganz viele therapeutische, sinnvolle Zwischenschritte, die hilfreich sind, aber letzten Endes machen wir nichts anderes, als zu sagen, also, du bist geschrumpft, was wäre denn da besser? Ich bleibe so alt, wie ich bin. Du willst gut sein? Es gibt die Bad Five Selbstwerträuber, die Bad Five Selbstwerträuber, gut sein wollen, ist da einer von, führt aber leider oft dazu, dass wir uns stressen, wenn wir gut sein wollen.

Aha. Und dann wäre die Frage, weil die Erwartung ja da ist. Was ist ein Gegenmittel von, weil was? Weil die Erwartung ja da ist. Ja, weil die Erwartung kann sehr hoch sein.

Ich will gut sein und damit setzt sich mich komplett unter Stress. Wenn ich jetzt hier zum Beispiel sagen würde, ich muss alles perfekt formulieren, ich darf mich im Interview gar nicht versprechen oder ich darf nicht den Faden mal verlieren. Ich habe ja schon zweimal oder dreimal jetzt ein bisschen den Faden verloren, weil ich sage, wo kam ich eigentlich gerade her? Wo bin ich da? Ist ja auch völlig okay, aber wenn ich jetzt denke, das darf ich nicht, sonst finden die mich nicht mehr seriös.

Wenn das jetzt meine Idee wäre, dann wäre ich doch komplett gestresst, weil ich gut sein will. Oder wenn ich denke, ich muss jede Rückfrage, die kommt, beantworten können. Wenn ich dieses Selbstkonzept habe, dann bin ich komplett gestresst, weil es gibt immer eine Frage, die man stellen kann, die gar keiner beantworten kann. So. Also das ist ein wichtiger Punkt, der da drin ist.

Was hat doch die Selbstwerträuber? Gut sein? Genau. Also gut sein wollen, gut gefunden werden wollen. Ich will, dass die mich gut finden.

Ich habe bei den Musikern wahnsinnig viel gelernt. Also da habe ich echt ungeheuer Lernkurven hinlegen dürfen. Die sagen oft, ich will, dass die das gut finden, wie ich spiele. Und was mache ich in dem Moment? In dem Moment gebe ich den Zuhörern die Deutungsmacht über mich und mein Spiel.

Und dann ist es wie in einer Arena. Entweder ich überlebe es oder die sagen, ich werde aufgeopfert sozusagen. Ich habe den anderen die Deutungsmacht über mich gegeben und hänge an deren Haken. Und da habe ich irgendwann mal auch mir klar geworden, das darf ja das Ergebnis meines Auftritts, meiner Performance oder meines Lebens sein, dass die mich gut finden. Das ist schon okay.

Aber es darf nicht die Absicht meines Auftritts, meiner Performance oder meines Lebens sein, dass andere mich gut finden. Der spielt den Mozart, während ich damit beschäftigt bin, hoffentlich findet die mich gut. Da ist ja keiner mehr da. Ja. Ja.

Also gut sein wollen, gut gefunden werden wollen, Altersregression hatten wir, ist nicht nur eine Lötungsblockade, sondern ist ein Selbstwerträuber. Dann haben wir noch Umgang mit Fehlern und mit Scheitern, könnte man sagen. Wir haben keine gute Kultur, mit Scheitern und Fehlern umzugehen und wir machen uns auf Vorwürfe, wenn wir Fehler machen. Wir haben eine zu geringe Fehlerfreundlichkeit. Und damit stressen wir uns.

Wenn die Angst vor Fehlern haben, das haben wir ganz viel, eine Prüfungsstress, Leute haben Angst, was falsch zu sagen. Durch die Angst, was falsch zu sagen, sind sie gestresst und das Gehirn funktioniert nicht mehr so gut und hat keine maximalen Zugriffsrechte auf die Dateien, die wir da gelernt haben. Deswegen spricht man davon, dass es gut ist, wenn man eine gewisse Fehlerfreundlichkeit hat. Aha. Weil das einen entspannt.

Wie will er? Oder entspannen lässt. Weil das einen nicht so... Weil das entspannt, genau. Genau, Fehlerfreundlichkeit, der Begriff ist schon mal cool, finde ich.

Und Wilhelm Busch hat es ja gesagt, aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug. Ja. So, das ist das. Und dann gibt es das Komplexeste, das ist das Selbstkonzept. Was denke ich über mich?

Denke ich, ja, ich bin cool, ich kann das, ich habe gelernt, ich werde das abliefern und wenn ich die Prüfung jetzt nicht bestehe, dann natürlich nächstes Mal, ganz klar. Und wenn ich dieses hier nicht mache, mache ich halt was anderes. Ich glaube an mich, ich habe die Fähigkeit, was in die Welt zu bringen und so, da habe ich jetzt keine großen Zweifel an mir. Ich weiß schon, wo meine Schwächen sind, also keine Überschätzung. Ich weiß schon, was ich nicht kann, wo ich echt üben muss aber ich weiß schon auch, dass ich ganz gut aufgestellt bin und wenn mir was echt wichtig ist und ich da wirklich mal lerne so, dann weiß ich schon auch, dass das gehen wird.

Selbstkonzept. Oder was wir oft sehen, Selbstzweifel. Selbst bei Leuten, die wirklich Weltklasse sind. Weltklasse. Ich habe ja wirklich viele Musiker gecoacht, die total ganz oben mitspielen.

Da gibt es große Selbstzweifel oft. Weißt du, die sind wirklich, die haben eine Riesenstelle in einem der besten Orchester der Welt und haben Selbstzweifel. Das ist schon krass. Dann kommt dieses Imposter-Syndrom. Hoffentlich merken die nicht, dass ich eigentlich gar nicht kann.

Ja, ja. Wenn ich einen Ton falsch spiele, dann werden die mich nicht mehr grüßen oder sowas. Also da passiert dann so das Selbstkonzept. Entweder habe ich das Gefühl, ja, bin gut aufgestellt oder habe ich große Selbstzweifel und denke ich eigentlich, ich bin da nicht gut genug. Und diese Selbstzweifel sind dann wiederum sozusagen, in diesem Bad Five sind dann ganz, ganz viele Gedanken, schwächende Gedanken, limitierende Gedanken, die wir über uns haben, drin.

Und ich, gut, das kann bestimmt bei Selbstzweifeln jetzt sein, aber auch bei den anderen Bad Five. Alle, alle wichtig. Ist das dann auch auf einen draufgesetzt von, sagen wir, Bezugspersonen oder sind das Sachen, die wir selber denken können? Der Kreis schließt sich jetzt wieder. Wie komme ich denn darauf, dass ich perfekt sein muss, dass ich gut sein muss, dass ich 100% bringen muss?

Das haben wir gelernt. Das hat man gelernt. In der Schule, im Studium, da muss es perfekt sein. Es gibt echt immer noch Kinder, die kommen mit einer 2 plus nach Hause und die Eltern sagen, wieso war es keine 1? Also, die meinen es ja noch nicht mehr böse, diese Eltern.

Die denken nur, geil, super, vielleicht denken sie sogar, super, aber warum hast du nicht noch eine bessere Note gekriegt? Das muss noch gar nicht mal gewalttätig gemeint sein, aber wie kommt denn das an? Da ist jemand total begeistert. Oder eine 1 minus, ja, 14 Punkte oder 13 Punkte, 13 Punkte, und da sagt jemand, sagen die Eltern, wieso sind das keine 15 Punkte? Du kannst es doch total gut.

Das muss gar nicht böse gemeint sein, aber es ist scheiße in dem Moment, weil man in dem Moment ja nicht sagt, geil, man könnte auch sagen, geil, super oder krass, super, schön, 13 Punkte, wow, Hut ab, krass. Bist du zufrieden oder würdest du gerne noch mal verstehen, warum die 2 Punkte da Auftrag holen dafür? Das hören wir natürlich, das haben wir natürlich, wie kommt das? Also gut sein wollen eben kommt daher, gut gefunden werden wollen, das habe ich vielleicht erlebt, dass ich Leistung bringe, als Kind auch, und dann kriege ich Anerkennung und Liebe. Und wenn ich nichts leiste, merke ich vielleicht, ja, die finden mich noch okay, aber so richtig geliebt werde ich nicht mehr so intensiv dann.

Das passiert einfach gerade so im bildungsbürgerlichen Kontext, sage ich mal. Das ist schon viel straffer als vielleicht in der Arbeiterklasse, wo das eher okay ist, bist du okay, also gibt es auch alles natürlich, aber so die Mittelschicht und die Bildungsbürgerschicht ist schon, die wissen ja auch drum, du musst was bringen, um was zu erreichen in dieser Gesellschaft. Und dann kann es sein, dass die extrem unter Druck stehen auch und den Druck an die Kinder weitergeben. Es ist keine Böswilligkeit, aber es hat eben Auswirkungen, die nicht unbedingt hilfreich sind. Altersrege schon hatten wir, sich klar machen, wie alt man ist, Selbstkonzept, so bin ich ja nicht geboren, das ist ja nicht in Stein gemeißelt, aber ich könnte ja schon mal überlegen, was sehen eigentlich andere in mir, auch an Stärken und Ressourcen, was ich selbst noch gar nicht gesehen habe.

Manchmal sehen andere viel mehr als man selbst. Und das dann immer ernst nehmen und die Komplimente anderer und die Wertschätzung, die man hört von anderen, nicht abbügeln, sondern annehmen. Und da sind wir übrigens im Punkt, der ganz wichtig ist, den finde ich auch so schön einfach zu verstehen. Das Selbstkonzept hat was mit Attributionsstil zu tun, also ganz einfach, das heißt Zuschreibungsstil. Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben oder da Selbstzweifel haben, die gehen oft folgendermaßen mit Erfolg um.

Wenn es gut war, dann kann es ja mit mir gar nicht so viel zu tun haben. Dann muss es ja eine einfache Aufgabe gewesen sein. Wenn es gut war, waren die alle so nett, dass ich da sozusagen, ja, das kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Wenn es gut war, war es ein ganz einfaches Stück oder eine ganz einfache Herausforderung. Das kann ich ja sowieso, ja?

Ja. Und dann führt es dazu, dass Leute, die hochbegabt sind an der Geige, dann so ein Mozart-Konzert spielen und denken, ja, so einfach ist das ja jetzt auch, also so schwer ist das ja auch nicht. Wenn es jetzt wegen Paganini wäre, aber es ist ja nur Mozart, ne? Also das heißt, die spielen richtig gut, alle sitzen da, heulen rum und sagen, boah, kannst du toll Geige spielen? Und die entwerten das, naja, komm, und ich weiß ja, mal ganz ehrlich, hast du den Takt 32, hast es mitgekriegt, das Vibrator war nicht ganz gut und der Lagenwechsel war auch, ehrlich gesagt, nicht wirklich sauber.

Kriegst du natürlich alles nicht mit, aber, und dann gucken die nur auf das, was nicht gut war und sagen, nee, also das habe ich jetzt zwar dem Mozart gespielt, aber mal ganz ehrlich, so kann das jeder. So verrückt, oder? Aha, ja, ja, ja. Das ist so das Selbstkonzept. Wenn es gut war, liegt es im Außen, wenn es schlecht war, ich kann das nicht.

Ich habe nicht so eine sichere Technik. Habe ich auch bei den Musikern wahnsinnig viel gelernt. Das kannst du auch alles, alle Lebensbereiche übersetzen, einfach weil das so ein High-End, so ein High-Peak-Performance-Bereich ist mit den Musikern, wo es um Höchstleistungen geht, habe ich da so viel kapiert. Wenn es nicht gut läuft, ich habe keine gute Technik. Bei Sängerinnen und Sängern, ich habe nicht so ein gutes Gehör.

Ich habe kein absolutes Gehör. Es gibt ja absolutes Gehör. Da schlägst du einen Ton an und die sagen genau, welche Frequenz das ist und in welcher Oktave, welches C oder so oder D oder so. Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie mit der Idee, nur die, die aus einer Musikerfamilie kommen, dürfen nach ganz oben. Also wir haben dann so Glaubenssätze da am Start.

Wenn man nicht gut ist, liegt es immer in mir und wenn es gut war, muss es ja im Außen liegen. Und wenn ich das einmal mache, ist es ja okay und es gibt immer beides natürlich. Aber wenn ich so eine Schräglage habe, dass ich nur so das mache, dann was für ein Selbstwertgefühl ernte ich denn da? Komplett schlechtes. Ja, das stimmt.

Es geht darum, das Gegenteil zu machen. Wenn es gut war, muss es ja mit mir zu tun haben und wenn es schlecht war, kann es ja nur in anderen liegen. Das wäre auch nicht entwicklungsförderlich. Aber zu überlegen, Moment mal, was ist mein Anteil und was war auch vielleicht tatsächlich in dem Kontext schwierig? Das ist eigentlich eine gesunde Herangehensweise.

Und wenn es jetzt darum geht, ich finde das wirklich so interessant, wie viel man doch eigentlich ausgeliefert ist, aber man kann doch wirklich viel bewusst machen. Und beides stimmt. Letzten Endes, ich sage mal so, wir reden ja jetzt nicht über gesellschaftliche Bedingungen. Es gibt ja gesellschaftliche, politische, kulturelle Bedingungen, die wirklich da sind. Die kann man nicht wegdiskutieren.

Und wir hier leben ja in einer Kultur, wo Selbstentfaltung durchaus erlaubt ist. Jetzt gehen wir in den Iran. Wenn ich eine Frau coache, dass sie sozusagen ihre Selbstwertpotenziale da lebt oder in Nordkorea oder sowas. Ja. Oder in anderen, also mal Schurkenstaaten oder Diktaturen, so wie Amerika, USA, da gibt es im Moment auch Entwicklung, da darfst du dich nicht hin entwickeln.

Wir dürfen ja hier, wir haben ja einen hohen Grad an Freiheit, persönlicher Freiheit. Und wir erleben immer mehr andere Länder, wo diese Freiheitsgrade eingeschränkt werden. Da gibt es dann Limitationen. Das kann brandgefährlich, das kann lebensgefährlich werden, meine innere Freiheit und mein Potenzial zu entwickeln, wenn das von der Kultur oder von der Religion, die mit reinspielt, da nicht erlaubt ist. Da muss man echt gucken.

Weil es kann sein, dass ich jemanden unterstütze, dass er sein Potenzial entfaltet und das wird lebensgefährlich für den. Also ich kann immer nur in dieser Kultur sagen, was hier hilfreich sein könnte. Das stimmt, das stimmt. Und das heißt, auch da ist die Sache, bewusst werden und sich fragen, denke ich das wirklich selber? Ja, denke ich.

Ja, super Idee übrigens. Der Supermove, denke ich das selber oder sind das eigentlich die Gedanken anderer an Cognokokken-Infektionen, an denen ich mich investiert habe? Oder Narakokken. Narrativo-Kong. Also wenn man negativ über sich denkt, könnte man sogar mal fragen, was für eine Stimme ist denn das?

Wir hören ja auch, da sagt einer, lass es sein, du schaffst es doch nicht oder so. Wir haben ja alle so innere Dialoge. Das ist keine Psychose. Innere Dialoge sind ganz normal. Was für eine Qualität hat die Stimme eigentlich?

Ist es eine männliche, eine weibliche? Und jetzt könnte man sich ja fragen, an wen erinnert mich diese Stimme vielleicht, die mich da andauernd limitiert und entwertet? Dann könnte man merken, dass das eigentlich ein Fremdbewohner ist, sozusagen. Da hat jemand mein Haus gekapert. Das ist eine Hausbesetzung, sozusagen.

Kein Untermietvertrag. Und das heißt dann, im besten Fall eine Stimme zu entwickeln, die einfach stärker als das ist. Absolut. Und allein, wenn ich merke, hey, das ist die Entwertung meines extrem strengen Vaters, den habe ich übernommen. Okay.

Wenn ich jetzt sehe, okay, mein extrem strenger Vater, der hat ehrlich gesagt seinen Vater nur überlebt, weil er brutal erfolgreich war, also geleistet, geleistet, geleistet hat. Das hat ihm für sein Leben tatsächlich auch weitergebracht. Kann ja durchaus sein. Aber das hilft mir nicht. Und wir haben eine ganz andere Zeit heute.

Wir leben ja in einer, das ist ja eine extreme Disruption. Wir leben ja in einer Zeit, wo man ganz vieles, was man früher brauchte, gar nicht mehr braucht. Das Konzept Schule ist komplett absurd geworden. Weil man lernt da die Information und Inhalte. Das braucht kein Mensch mehr.

Und da muss man sagen, da sind wir auch komplett ein bisschen verblödet hier in Deutschland. Es gibt andere Länder und Kulturen, die haben schon Mitte der 10er Jahre gesagt, die Kinder werden bei der Entwicklung von KI nicht mehr das brauchen, was sie bislang brauchten. Wir gucken viel mehr, was sie jetzt brauchen. Und bringen das in die Schulen. In Taiwan hat man das gemacht.

Und ist ja auch einer großen KI. Die ganzen Halbleiter kommen alle aus Taiwan. Hat man das da gemacht. Und dann hat man gesagt, Kinder brauchen Kreativität in der Zukunft. Kreativität, die brauchen Demokratiebewusstsein.

Und die brauchen Bürgerengagement. Das brauchen wir. Das sind Qualitäten, die wir in der Zukunft brauchen. Und nicht auswendig lernen, wann im Mittelalter irgendwie einer irgendein Vers aufgesagt hat. Oder sowas.

Das ist ja, das macht ja sein, dass das vor ein paar Dutzend oder hundert Jahren auch hilfreich war. Aber es ist eigentlich... Einfach nur outdated. Vollkommen aus der Zeit. Völlig.

Vollkommen. Und es gibt ja die Silke Müller ist, die glaube ich, diese Erziehungswissenschaftlerin, eine Lehrerin, die sich mit... Oder Pädagogikwissenschaftlerin oder Lehrerin ist und Schulleiterin. Die hat so ein Buch geschrieben, Schule gegen Kind oder so. Kind gegen Schule.

Nee, Schule gegen Kinder. Schule gegen Kinder, glaube ich. Und die ist da ziemlich revolutionär mit ihren Gedanken. Finde ich ziemlich cool, was die sagt. Die sagt, wir müssen Schule...

Wir müssen eigentlich eine Bankrotterklärung unseres pädagogischen Schulsystems erklären. Also Verbesserungen auf der Detailebene kriegen wir gar nicht mehr hin. Wir müssen eine Insolvenz anmelden und das komplett neu aufsetzen. Das ist krass gesagt, aber wenn man sich damit beschäftigt, was sie sagt, muss ich sagen, sie hat komplett recht, aber das machen wir in einem System, wo viele ja auch gekränkt jetzt reagieren dann. Das können sie nicht sagen.

Wenn ich jetzt so selbst da mitentwickelt habe, Schulkonzepte oder so oder das vielleicht sogar gut finde, dann fühle ich mich komplett gekränkt. Also wir merken, das wird dann auch schwierig. Ja, das kann ich mir wirklich sehr gut vorstellen. Vor allem, weil das eine der Institutionen ist, die sich schon so lange hält. Ja, absolut.

Und wo immer noch. Eigentlich ist der Lehrerberuf, glaube ich, der schönste Beruf, den es überhaupt gibt auf der Welt. Überhaupt. Nicht in unseren Kontexten, wie wir es im Moment machen. Da ist es einer der belastetsten Berufe, aber es ist eigentlich vom Potenzial her ein geiler, geiler Beruf.

Ja, ja. Deswegen wollte ich auch eben einen pädagogischen Beruf, weil man einfach Kindern so viel beibringen kann und sie dir so viel zurückgeben und vor allem, es ist ein Beruf, der am Menschen dran ist. Und ich glaube, es ist zwar, ich meine, jeder Beruf hat seine Schattenseiten, aber ich finde es, Menschen sind immer die größten Lehrer, aber auch diejenigen, die den größten Lehrer brauchen. Wir lernen so viel voneinander und vor allem von Kindern, allein schon, wie viel man da lernen kann, wie es ist, wenn ein Kind eine Emotion spürt und sich komplett da fallen lässt. Das sind Sachen, die habe ich auch selber bemerkt und die, die muss man wieder lernen, weil Kinder, Kinder wachsen, sie wachsen nicht falsch auf.

Nee. Naja, doch, sie werden sozusagen nicht artgerecht gehalten. Ja, das meine ich damit. Die jetzige Schule ist eine nicht artgerechte Haltung, ein nicht adäquates Habitat für uns Menschen. Es gibt ein paar Leute, die durchaus da profitieren, also für die genau das richtig sein kann.

Ja, das kann sein, aber wenn ich die Range angucke von allen Kindern, muss man sagen, das Konzept Schule, was wir im Moment haben, führt dazu, dass wir viele Kinder beschädigen und verlieren. Wenn es jetzt da genau um dieses Beschädigen heißt, wir waren ja gerade eben bei Selbstwert, ja, wir waren ja bei den Methoden, was kann jemand selber tun? Ja, genau. Also erstmal sich klarzumachen, auch wenn ich jetzt so ein Nervensystem habe, was eben so schnell ist und so kreativ und mit dem Fokus so variabel umgehen kann, also das nennt die Medizin ADHS, ist ja auch lustig, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, das sind ja die, die zehn Stunden lang sich auf eine Sache fokussieren können und wenn sie das sinnvoll finden und wenn sie davon begeistert sind. Alle anderen sind schon umgefallen von Müdigkeit und unser sogenannte ADHSler, der ja keine Aufmerksamkeitsfähigkeit hat, sozusagen, der ist komplett fokussiert da, der hat eine Hyperfokus-Fähigkeit.

Allein wenn ich kapiere, ich bin so und die Schule hat überhaupt nicht an solche Menschen wie mich gedacht, nicht ich bin falsch, sondern das Konzept Schule hatte leider in der Entwicklung nicht berücksichtigt, dass es auch solche Kunden gibt. Dann ist das ja schon mal eine Entlastung, ich muss keine Selbstzweifel aufbauen, sondern ich kann sagen, okay Leute, das ist ein bisschen hinterwäldlerisch hier, ihr habt mich nicht auf dem Zettel gehabt, ist so, es ist ja auch schwer und Entwicklung geht ja auch langsam, gerade Institutionsentwicklung geht ganz langsam, aber ich nehme das jetzt nicht mehr persönlich, aber ich nehme es auch nicht mehr so ernst, ehrlich gesagt. Wenn ihr mich jetzt scheiße findet, wenn ihr mir schlechte Noten gebt, wenn ihr meint, ich sei sozial auffällig oder sowas, könnt ihr alles sagen, ja, hat aber mehr mit eurem System zu tun, was ihr da gebaut habt, als mit mir. In einem anderen System würde ich mich komplett anders entwickeln. Das heißt dann, sein Habitat herausfinden und finden.

Absolut, genau. Und wenn ich so merke, ich bin schlecht in der Schule, dann kann man sich ja mal fragen, interessiert mich das eigentlich, was die hier besprechen? Ist das echt, bin ich da voll geil drauf? Würde ich da richtig Geld auf den Tisch legen, um es zu kriegen? Nee.

So, dann kann man sagen, ey, was ist denn, und viele Menschen haben so ein Nervensystem, wenn das eine Sache nicht interessiert, dann springt das gar nicht an das Nervensystem. Ja, dann bleibt das komplett im Schlafmodus. Und wenn ich aber im Schlafmodus bin, kann ich gar keine Leistung bringen. Ja. Ja, aber ich komme auch nicht in den Aktivitätsmodus, weil das Zeug, worum es da geht, ist uninteressant.

Das heißt, dieses Konzept Schule berücksichtigt ja überhaupt nicht unsere Schülerinnen und Schüler und ist gar nicht kundenorientiert. Also ein Konzept von Schule, was mich überzeugen würde, wäre, dass man in Kindern und Jugendlichen sagt, pass mal auf, wir haben echt ein Problem. Wir haben ein Riesenproblem. Wir haben gerade eine Demokratiekrise. Demokratie ist ein Riesenproblem.

Wir haben eine Kommunikations-, eine Spaltungskrise oder Challenge, könnte man das noch nennen. Wir haben eine Demokratie-Challenge, die rutscht uns weg. Wir haben eine Spaltungs-Challenge. Also die Gesellschaften spalten sich immer mehr. Gerade in den Demokratien spalten sich immer mehr.

Das ist eine Riesenherausforderung für uns Menschen. Und ich erzähle euch jetzt nicht, wie das gelöst wird, sondern, ey, jetzt bin ich mal, möchte ich mal was von euch lernen. Ich, Lehrer, möchte vorschlagen, wenn euch das interessiert, einen Auftrag holen, wollen wir das Thema nicht angucken. Und wenn die sagen, ja, finde ich auch cool, finde ich spannend, das kenne ich bei TikTok und so, da gibt es auch, da gibt es Leute, die dann gebasht werden und dann hast du eine andere Meinung, fliegst du sofort raus, kennst du Kalt schon die ganze Mathematik, ne? So, finden wir auch cool.

Dann machen wir Arbeitsgruppen. Ihr guckt euch das, das, das, das an. Und jetzt haben wir ein Think Tank sind wir jetzt, ne? Diese Kinder. Und dann können sie manches nicht.

Ne? Dann können sie vielleicht irgendwas nicht ausrechnen. In einer Prozentzahl, dann sagen sie, ey, kannst du mir das mal zeigen, mit der Prozentrechnung, wie das geht? Ich hab das noch nie verstanden. Und jetzt auf einmal machen sie was, was sinnhaft ist.

Und dann sagen, so einfach ist das mit der Prozentrechnung, hab ich bislang nicht verstanden. Weil bislang war es so Theorie und nicht echtes Leben, ne? Das ist dann ja auch eine Sache, man wird auch Sachen nicht im Gehirn behalten, wenn sie einem nichts bringen. Nein. Ich mein, ich komme ja selber vom Gymnasium und Leute haben das, haben nur fürs Abi gelernt und dann haben sie das eine Woche später vergessen.

Alles weg. Ja. Das ist sozusagen Bulimie lernen, ne? Ja, Bulimie lernen. Genauso wurde es auch gesagt.

Kotzen und reinhauen. Das muss ja ins Langzeitgedächtnis sein und das muss ja Sinnhaftigkeit machen. Ja. Es ist auch so. Und wenn so Schule stattfinden würde, dass man auf Augenhöhe miteinander kommuniziert und dass man als Lehrerin und Lehrer sagt, ich weiß nicht, was ihr so, wie ihr so die Welt seht, ne?

Ich glaube, ihr seht mit eurer, in eurer Generation seht ihr Sachen, die ich gar nicht sehe. Und das wäre schon cool, wenn ich da mit teilhaben darf an eurer Entwicklung. Aber ein paar Sachen muss man schon mal sagen, ne? Die kapierst du erst, wenn du lange, lange, lange dabei bist. Also, ne?

Man darf nicht die Erfahrung von Menschen mit großer Lebenserfahrung entwerten. Das machen wir aber auch. Ältere Menschen, das sind wir uns, Senioren heißen die dann. So, als wären die sozusagen für nichts mehr Nütze. Ja, ist doch wahr.

Und das führt jetzt übrigens, wir sind jetzt mit jüngeren Menschen, aber guck dir mal Menschen an, die älter werden, die haben totale Selbstzweifel, weil das alles entwertet wird. Ne? Du kommst in Rente dann oder Frührente und du bist ja auch nicht mehr, ne? Dann hat man Falten im Gesicht. Der Scheiße, in den Jugendwahn sehe ich nicht mehr straff aus.

Dann hauen sie ja Botox rein, damit sie noch irgendwie aussehen wie so ein Küken irgendwie. Also, das ist ja auch geschräg. Viele Menschen, echt Schwierigkeiten haben, beim Älterwerden. Das ist die andere Seite der Medaille. Ja, das stimmt.

Und junge Menschen, ich meine, was erleben denn junge Menschen immer wieder von der Gesellschaft? Letzten Endes hören die ja nicht, wir brauchen euch total, gerade euch. Man hört, das musst du können, das musst du können, das musst du können, sonst kriegst du keine Stelle. Aber man hört ja nicht, wir brauchen euch und ihr müsst uns mal sagen, auf welche Art und Weise wir euch unterstützen sollen. Also, das wäre ja Augenhöhenkommunikation und Kooperation.

Aber das ist ja im gesamten pädagogischen Konzept, also überall gibt es Inseln, die so denken und so handeln. Ich bin ja nicht der Einzige. Ich habe auch viel gelernt von innovativen, pädagogischen Konzepten, aber das ist ja nicht flächendeckend. Das stimmt, das stimmt. Und vor allem, der Mainstream ist vielleicht nicht auch das, was am besten funktioniert, sondern eher das, was sich am besten weiterproduzieren lässt.

Absolut. Und da gibt es Traditionen. Unser Gehirn ist eben auch ein Gewohnheitsbolzen. Wenn ich was immer wieder mache, ist es fürs Gehirn ganz angenehm, weil es sich nicht so anstrengen muss. Und das ist energiesparend.

Wenn ich jetzt immer den gleichen Unterricht mache, aber das kenne ich, mache ich so. Wenn jetzt einer sagt, wir müssen das ganz neu machen, was ja zu Corona spannend war. Man hätte ja eigentlich sagen müssen, Lehrpläne stellen wir jetzt in den Keller. Jetzt sprechen wir über, was ist ein Virus eigentlich? Was ist ein Immunsystem?

Welche Möglichkeiten des Boosterns von Immunsystemen gäbe es noch? Außer einer Impfung. Auch interessant. Wie wirken Impfungen? Was ist das Neue an den MdMMA-Impfstoff?

Und dann kam es ja sozusagen zu Verschwörungserzählungen, Querdenken. Was sind das für Phänomene, dass Menschen auf einmal sagen, ich glaube nicht mehr der Wissenschaft. Ich habe das bei TikTok oder bei YouTube oder bei irgendwelchen anderen Kanälen irgendwie gehört. und ich habe eine Quelle von einem Menschen, der hoch emotional aufgeladen war. Das ist ja, was ist eigentlich gute Berichterstattung im Journalismus?

Eine gewisse Neutralität, immer zwei Quellen nutzen, die Quelle prüfen, ob die Quelle eigene Absichten hat. Es gibt ja einen hohen Standard an Journalismus, der nicht immer eingehalten wurde, übrigens auch von den Qualitätsmedien da nicht. Aber man hätte ja das alles thematisieren können. Was macht die Presse? Was machen die Journalisten gerade auch falsch?

Aus journalistischer Sicht zu Corona. Was, wie werden politische Meinungsbildungen gemacht? Das wäre doch total aufregend. Das haben wir alle erlebt. Vielleicht nicht für die Grundschüler.

Aber für die Oberstufe wäre das der Burner gewesen. Und ich glaube, dass die jungen Menschen gesagt hätten, das ist ja spannend jetzt. Und da hätten sie nämlich zu Hause ihren Eltern was erzählen können, was da keiner wusste. Das waren ja alle relativ überrascht davon. Und unsere Lernkurve war ja auch nicht besonders steil durch Corona, muss man ja auch sagen.

Wir haben nicht wirklich kapiert, was die Herausforderungen sind. Und wir haben Menschen verloren, die sozusagen extrem und aus auch nachvollziehbaren Gründen extrem systemkritisch geworden sind, politikkritisch geworden sind. Und die kann man nicht alle entwerten und bäschen jetzt auch. Aber man muss gucken, auf was einigen wir uns als Gesellschaft. Und da ist Wissenschaft und ist schon cool, weil Wissenschaft ist ja nichts anderes als egal, wer da drauf guckt auf dieses Thema, wird zu einem gleichen Ergebnis kommen, wenn er die klaren, nachvollziehbaren Regelwerke einhält.

Da müssen wir uns nicht streiten. Ich sehe das so, ich sehe das so, das ist ja sofort Streitpotenzial. Und wenn man jetzt sagt, Wissenschaft, okay, du siehst es so interessant, ich hätte es gern anders, aber lass uns doch mal da eine Studie zu machen oder lass uns in die Studienergebnisse gucken. Und dann muss man erkennen, okay, ist so. Aber da muss man jetzt als nächsten Schritt eine Wissenschaftskritik auch machen.

Wenn ich als Virologe, der total geil ist, was Virenwachstum und Viren alles erklären kann, aber wenn ich als Virologe der Einzige bin, der über ein Riesenphänomen, was auch ein gesellschaftliches ist, ein politisches, ein pädagogisches, wenn ich immer wieder nur alleine rede, also aus der Sichtbrille des Wissenschaftlers, des virologischen Wissenschaftlers, der wirklich wichtig ist, den brauchen wir. Und den kann man sehr wertschätzen. Aber wenn ich das immer nur alleine rede, dann... Da fehlen einfach andere Geschichten, ja. Und nicht die Perspektiven der anderen Wissenschaftsleute draufhaben, die übrigens andere Menschen sind.

Der Soziologe ist ein anderer Typ als der Virologe. Der Pädagoge ist ein anderer, der Psychoexperte ist wieder ein anderer Mensch mit anderer Geschichte, mit anderer Realitätskonstruktion. Dann ist das, also wenn ich nur aus meiner Sicht auf die Welt gucke, dann ist das Salonblödsinn, muss man sagen. Und das ist komplett unwissenschaftlich dann, weil ich nicht berücksichtige, was hat das für psychische Ausbildungsstücke, aus Wirkung auf Kinder, wenn wir Schulen schließen. Und das brauche ich in der Risikokalkulation, muss ich das damit einbinden.

Das ist komplett unwissenschaftlich. Wenn ich sage, aus virologischer Sicht müssen wir die Schulen schließen. Das stimmt auch aus virologischer Sicht. Aber aus pädagogischer Sicht könnte man durchaus sagen, das ist brutal gefährlich. Wenn wir das machen, dann haben wir ein riesengroßes Risiko für die jungen Menschen da.

Und dann kommt noch jemand anderes, der ist Epidemiologe, der sagt, oh ja, aus meiner Sicht. Und dann kommt vielleicht ein Politikwissenschaftler, ein Gesellschaftswissenschaftler, der sagt, na ja, wenn wir so ganz knallhart davor gehen, das können wir machen. Das hat den Vorteil, wenn wir eine Impfpflicht machen, hat das den Vorteil, die Leute sind echt geimpft. Aber wir werden bei einer Impfpflicht ganz viele Menschen, denen Freiheit und Selbstentscheidung total wichtig ist, die werden wir verlieren. Und das ist ein Risiko.

Das müssen wir in die Gesamtkalkulation mit einbinden. Und ein paar von denen sind einfach nur enttäuscht. Die verlieren wir aber auch als Menschen, die committed sind mit dem Staat. Und ein paar von denen werden sogar den Staat anschießen. Die werden dann versuchen, den Staat zu stürzen vielleicht sogar.

Und dass sie das machen, hat auch damit zu tun, dass wir die Realität auf sozusagen Virusniveau reduziert haben. Und das sind ja alles immer erkenntnistheoretische Fragestellungen jetzt. Die allermeisten Menschen und Erwachsenen und Politiker haben das überhaupt nicht auf dem Zettel gehabt. Da musst du schon... Ich habe mich da immer gefragt, weil das passend zum Thema jetzt, das wollte ich schon immer mal eine andere Person fragen, die in diesem Gesundheits- Psychiatrie-Sektor schon sehr lange ist.

In sehr, sehr vielen Fällen, ich kam da in, also ich rede mit verschiedensten Leuten in meinem Alter über verschiedenste Sachen und sehr oft habe ich vergessen, dass es Corona gab. Diese gesamte Lockdown und sonst irgendwas. Aber ich glaube, das hat ernsthafte Auswirkungen, die bis heute spürbar sind und auch lange spürbar sein werden. Und das, ich habe dazu noch keine Meinung. In meinem Umfeld häuft sich das nur, dass die Meinungen auseinandergehen von wegen, ja, das war halt so oder von wegen, es war wirklich heftig.

Ja. Was ist da deine Meinung? Aber wenn du das auch nicht sagen möchtest, musst du auch. Doch, doch. Das ist ja total wichtig, dass du sprichst ja jetzt darüber, was führt dazu, dass unser Gehirn was behält oder nicht?

nee, nee, sondern, was glaubst du, für Auswirkungen hat das massenhaft gehabt? Das ist individuell unterschiedlich. Wir haben totale individuelle Unterschiede. Es war für einige traumatisierend. Also, wenn du eine alleinerziehende Mutter bist mit zwei Kindern ohne Balkon und du kannst da nicht raus, ja, und das, der Schulunterricht findet nicht wirklich statt.

Da gibt es Leute, die haben die Hölle zu Hause erlebt. Das war scheiße. War echt scheiße. Das war, das war wie Krieg im Grunde. Ja, das muss man sagen.

Es gibt Leute, die sind massiv belastet dadurch und da gibt es Leute, die haben ein großes Haus und einen Garten und einen Pool und so und dann die Kinder fanden das ganz gut, nicht immer zur Schule zu gehen und dann haben sie vielleicht noch irgendwelche Wissen macht A oder sowas geguckt da irgendwie. Da haben die Eltern gesagt, ja, da ist ja auch Bildung sozusagen und so und die sagen, das war in der schönsten Zeit. Es gibt Leute, die sagen, wir haben immer Brot gebacken und so und endlich nicht mehr diese Nerven mit anderen Leuten. Corona war die schönste Zeit meines Lebens. Das gibt es auch und es gibt Leute, die sagen, ja, war halt so.

Es gibt da alles. Also man kann nicht sagen, so war es. Jeder hat es ja anders wahrgenommen. Jeder Beobachter hat es anders wahrgenommen und es gibt die ganze Range. Es gibt die Range, die sagen, ich habe mein Buch da endlich mal in Ruhe schreiben können und ich habe ein neues Forschungsdesign entwickelt und das war die geilste Zeit.

Hätte ich Corona nicht gehabt, hätte ich das nicht machen können und es gibt Leute, die nachhaltig auch geschädigt sind. Es gibt ein paar Leute, die geschädigt sind, belastet sind, die haben sich danach wieder gerappelt, aber es gibt alles da. Da kann man nicht sagen, so war es. Man muss immer sagen, für wen war es wie? Und ich nehme an, dass, auch das höre ich jetzt stückweise raus, Selbstwirksamkeit.

Wie geht es mir? Was kann ich machen? Absolut. Also es gibt ein schönes Beispiel, warum Corona so ein großer Stressor für uns war. Die Gabriela von Witzleben, das ist eine Psychotherapie-Methodenentwicklerin, die ich gut kenne und die bei mir auch Web-Ausbildung gemacht hat und die eine sehr spannende Methode entwickelt hat.

Und da gibt es drei Prinzipien in ihrer Methode. Trialisches Prinzip nennt sie das und sie sagt, wir Menschen haben Kernbedürfnisse in drei Bereichen. Das ist einmal Beziehung, Selbstbeziehung und Beziehung zu anderen. Dann ist es Überblick und Orientierung. Wo ist was?

Wo geht es los? Was ist wer? Wie kann man das erklären? Und es ist Autonomie. Ich entscheide selbst.

Ich will das alleine entscheiden. Das sind unsere Kernbedürfnisse. Die haben wir alle. Alle Menschen haben diese drei Kernbedürfnisse. Es ist aber oft so, dass wir hier alle einen Heimathafen haben.

Mein Heimathafen ist zum Beispiel Autonomie. Wenn mir einer sagt, was ich machen soll, kriege ich so einen Halt. Ich muss alles entscheiden. Deswegen bin ich Freiberufler. Ich habe ja auch in Kliniken gearbeitet, aber ich hätte die Klinik gerne gekauft und dann als Chef und als Besitzer gestaltet.

Da hätte ich Bock gehabt. Aber als ich gesehen habe, was mein Chefarzt, wie wenig der entscheiden darf, habe ich schon gesagt, nee, ich muss raus. Der ist zwar Chefarzt, klingt toll, aber der hat ja keine Freiheiten. Also ich bin autonom. Andere sagen, mir ist super wichtig, dass ich alles verstehe.

Eine Überblick, Orientierung. Wo geht es los? Was ist das? Wie kann man das erklären? Und da gibt es Menschen, die sagen, mir ist die Bindung zu anderen Menschen so wichtig.

Hauptsache, wir sind in Verbundenheit miteinander. Und Corona hat dazu, die Corona-Maßnahmen, die Corona-Maßnahmen haben dazu geführt, dass alle drei Kernbedürfnisse verletzt worden sind. Überblick und Orientierung. Kein Mensch wusste, was da passiert. Die haben zwar klug geredet, aber du hast gemerkt, die haben keine Ahnung.

Und das war ja lange noch nicht klar. Wo kommt das Virus eigentlich her? Wissen wir nicht. Was müssen wir machen? Was sind die Maßnahmen?

Was für Masken und so? Ist Impfung sinnvoll oder nicht? Was für Nebenwirkungen haben Impfungen? gibt es nicht auch Schädigungen? Also wir wussten gar nichts und wir haben auch nicht viel gelernt, muss man sagen.

Also nicht viel, finde ich. So. Überblick und Orientierung ist komplett verletzt. Mir ist das jetzt nicht so wichtig, diese Stärke. Aber wenn jetzt jemand sagt, ich will alles genau verstehen, dann hat er die ganze Zeit die Erfahrung gemacht, hier versteht keiner was und ich auch nicht.

So. Dann gab es Beziehung, Social Distancing, war die Verletzung des Kernbedürfens. Beziehung. Jemand ist ganz wichtig, andere Menschen zu sehen, zu umarmen, Nähe mit denen zu empfinden. Und du darfst die Leute nicht mehr anfassen und umarmen.

Wenn man selbst Beziehungen nicht so braucht, dann sagt man ja, und? Ist doch egal. Aber wenn das für dich deine Quelle, deiner Kraft auch ist, dann ist das eine massive Belastung. Kann sogar traumatisierend sein. Und dann Autonomie, Ausgangsbeschränkungen, dieses, jenes, das, was alles verboten war.

Du darfst nicht einkaufen, du darfst da nicht hingehen, du musst das machen. Selbst nach Ausgangssperren abends. Also völlig absurdes Zeug. Wenn ich alleine durch den Wald gehe, eine Maske aufsetzen, wo man so sagt, hab den Arsch offen, soll ich die Vögel jetzt nicht anstecken oder was? Also das ist ja alles absurd gewesen im Grunde.

Ich verstehe schon, dass das aus einer Hilflosigkeit entstanden ist, aus dem Nichtwissen. Und das ist ja auch geil. Guck mal, die, die entscheiden mussten, und ich hätte übrigens überhaupt nicht in deren Position sein wollen. Also du hast, du machst als Politiker die Erfahrung, ich habe keine Ahnung, was da passiert, aber ich muss jetzt handeln. Du fühlst dich ausgeliefert, weil da passiert was, was du dir nicht erklären kannst.

Was machst du jetzt? Du handelst in irgendeine Richtung, aber du handelst, jetzt machst du eine Selbstwirksamkeitserfahrung. Ich habe ganz viele Masken gekauft, ich bin eine geile Sau. Ich habe das Land gerettet, ich habe Masken gekauft. In dem Moment hat so ein Mensch das Gefühl, boah, ich war total hilfreich.

Und dann denkst du ja gar nicht nach, ob das jetzt wirklich hilfreich ist. Sondern wenn du selbst in der Angst bist, deswegen habe ich auch von einer Emokokken-Pandemie da gesprochen. Wir haben starke Emotionen alle und jeder geht anders mit seinen starken, belastenden Emotionen um. Also es ist völlig nachvollziehbar, dass man erstmal überfordert ist. Aber ich finde, wir hätten eine bessere Lernkurve hinkriegen können.

Und das finde ich auch nochmal ganz spannend, das gehört ja auch dazu, dass wir psychosozial auf das Phänomen gucken, was wir gerade erlebt haben. Aber das wurde ja gar nicht diskutiert. Wir haben immer nur über Masken und Impfung geredet. Das ist ein wichtiger Punkt, das ist definitiv. Ich habe dann ganz früh, ich mache ja Fortbildungen, habe dann so Luftentkeimungsgeräte gekauft mit bipolarer Emotionen.

Ich habe dann gelesen und dann gab es zumindest Hinweise, dass das ganz gut sein soll, weil es die Viruslast im Raum reduziert. Also habe ich das Zeug gekauft und habe ja die ganze Zeit über Corona Kurse gemacht und ich habe mich nie angesteckt im Kurs. Ich war dann einmal in der Schweiz, da hatte ich dann keine Apparate mit, da habe ich dann Corona gekriegt im Kurs. So kann Zufall sein, weiß man jetzt auch nicht, aber meine Beobachtung war, das war ganz cool, aber es ist ja ganz vieles nicht diskutiert worden und das ist natürlich, wenn du einen gewissen Grad an Intellektualität hast, dann ist das eine Körperverletzung, finde ich, gewesen. Wie, wie, wie, wie, wie, wie, also wirklich auch wenig, wenig klug, wenn wir damit umgegangen sind.

Und ich bin überhaupt nicht auf der Seite von Verschwörungserzählungen, gar nicht. Und ich bin überhaupt nicht auf der Seite von, man muss doch alles machen, was der Staat sagt, auch gar nicht. Ich gucke da differenziert drauf und vieles war gar nicht anders möglich. Und da muss man auch mal sich zusammenreißen und sagen, meine Indie-Welle-Freiheit ist jetzt gerade mal nicht angesagt, wir müssen jetzt als Gemeinschaft denken. Klar.

Und da mache ich auch Sachen vielleicht, die ich nicht gut finde. Und einiges von dem, was aus dem Verschwörungstheoretischen oder Verschwörungstheoryserzählerischen Feld kam, hat natürlich total auch Wurzeln und teilweise sogar breitere Gedanken gab, die total wichtig waren. Also, das kann ja alles abtun. Ja, ja. Erspannend.

Ich glaube, das entsteht immer aus dem, ich denke, das entsteht immer aus dem Kern, der versucht, eine gewisse Wahrheit zu sagen, aber halt sich irgendwo in den Extremen verliert. Ja, und wenn ich das angucke, also wenn ich gucke, die Menschen, die bei mir dann im Kurs waren und total so Impfgegner und alles scheiße und so, dann waren das immer wieder auch Menschen, die als Kinder traumatisiert worden sind. Die haben traumatische Erlebnisse in der Lebensgeschichte gehabt und die haben das quasi als retraumatisierend erlebt. Da passiert jetzt was mit mir und ich habe keine Kontrolle. Und dann ist das natürlich scheiße.

Wiederum aber Leute, die gar nichts in Frage gestellt haben von dem, was von der Regierung kam, da hast du auch das Gefühl, die haben noch nicht gelernt, dass man selbst mal nachdenken muss auch. Die haben immer nur gelernt, man muss funktionieren. Die haben nicht gelernt im Moment, vielleicht musst du mal in Frage stellen, was da gerade gesagt wird. Also das gibt immer lebensgeschichtlich total gute Gründe dafür und manchmal habe ich so das Gefühl gehabt, so ganz frei sind wir eigentlich gar nicht, wie wir nun reagieren. Das hat so viel mit Lebensgeschichte zu tun und mit eigener Struktur und so und welches Kernbedürfnis ist von mir verletzt.

Und wenn das Kernbedürfnis massiv verletzt ist, zum Beispiel Autonomie, dann gehe ich natürlich da, dann kämpfe ich gegen diese einschränkenden Maßnahmen. Und dann kämpfe ich und kämpfe ich und kämpfe ich und dann, das war ja dann die hohe emotionale Aufgeladenheit hat dazu geführt, dass der Diskurs, die Diskursqualität komplett in den Keller gegangen ist. Wenn man sich aufgeladen ist, dann kann ich nicht mehr sauber argumentieren. Dann habe ich ja gar nicht, ich habe Meinung A, du hast Meinung B. Wenn ich entspannt bin, dann sage ich, ah interessant, das was du da gerade sagst.

Das finde ich ja spannend, ich sehe das ganz anders, aber führe das nochmal aus, das werde ich nochmal genau hören. Dann können wir einen Diskurs führen, der hoch sozusagen reflektiert ist. Wenn ich, Meinung A scheiße, du bist A, finde ich kacke, ich bin B, ist das Einzige, was geht. Deine Meinung A ist kacke, aber dann musst du auch kacke sein. Und so eine Scheiße höre ich mir gar nicht an.

Halt den Mund, ich lasse dich gar nicht ausreden. So ist es nicht. Ich sage dir, wie es ist. Und dann haben wir die Spaltung, die wir gesehen haben. Und warum?

Ein großer Grund war die starke emotionale Aufgeladenheit. Unser Gehirn funktioniert nicht mehr differenziert, wenn wir eine zu starke emotionale Belastung drauf haben. Es hat keiner groß drüber geredet. Wir haben in den Talkshows auch alle möglichen Leute gesehen, aber da waren selten mal Pädagogen, erfahrene Pädagogen oder Psychoexperten, die einfach mal erklären, was da gerade emotional in der Gesellschaft passiert. Ja, spannend, oder?

Also ich finde das wirklich spannend, weil man, es hat sich auch im Endeffekt nicht wirklich real angefühlt, was da jetzt passiert oder wenn man jetzt rückblickend schaut, das ist, das war einfach ein Ausnahmezustand und ich glaube, das hat auch irgendwo fast überall Auswirkungen hinterlassen. Gut, so wie alles oder wie jedes Weltgeschehen macht. Bloß war das so, genauso wie du gesagt hast, emotional geladen, dass das so schnell nicht vergessen wird. Ja, genau. Und dass du sagst, du erinnerst dich kaum, also das sagen ja auch einige, ach das stimmt, das gab es ja mal, das kann einmal sein, dass das so arbeitet eben unser Gehirn.

Wenn das nicht extrem positiv oder extrem negativ war, dann habe ich das einfach durchgewunken, dann erinnere ich mich da gar nicht mehr dran. Ach stimmt, wir haben ja ewig zu lange zu Hause gesessen, ja war nicht scheiße, aber war auch nicht gut. Ne, so. Dann macht das Gehirn so, das sagt, das ist nicht wichtig, das kannst du eh vergessen. Eine Möglichkeit.

Oder Leute sagen, ich habe es komplett vergessen, das war so scheiße, dass ich mich davor schütze, mich daran zu erinnern. Dann wäre das, weil es so belastend oder traumatisch war, dann schütze ich mich davor, dass ich da wieder reinrutsche in diesen blöden alten Move. Das gäbe es auch theoretisch, ne, so. Aber das könnten zwei Möglichkeiten sein, ne. .

Weil, dann würde ich jetzt hiermit mal eine letzte Frage einschmeißen. Ja. Und zwar seit Corona hatte ich das Gefühl, dass sehr viel, dass ich im Mainstream, in den sozialen Medien, Instagram, gut, TikTok habe ich nicht. Ja. Aber ich bin auch jemand, der das wenig benutzt, aber man, es erreichen mich trotzdem ab und zu gewisse Kernaussagen und Meinungen, die von diesem Mainstream kommen.

Ja. Und, wie bist du da? Weil meine Frage wäre da gewesen, oder ist, beziehungsweise, was macht die heutige Kultur, wenn es um psychologische Phänomene, psychische Krankheiten, um, um diesen ganzen Mental Health Diskurs geht? Ja. Was machen wir da gut, was machen wir da schlecht?

Ja, ich glaube, also Erkenntnisbildung muss man, wie kommt eigentlich das Wissen in die Welt? Das ist ja ganz wichtig. Verschiedene Wissensquellen. Man kann das lesen, man kann sprechen mit Menschen, man kann, wissenschaftlich in Studien reingucken, ne, da gibt es verschiedene, Kategorisierungen, wie, wie, wie Wissen in die Welt kommt sozusagen. Und dann ist immer die Frage, was wäre, und inwiefern habe ich die Möglichkeit, frei, frei, Wissen zugänglich zu haben?

Und inwiefern gibt es die Möglichkeit, frei zu äußern, dass ich das glau so oder anders sehe? So, ne, und das, das ist ein wichtiger Punkt. Und was wir im Moment durch Social Media erleben, ist, wir haben eine starke, Fokussierung in eine bestimmte, also, ne, ich bin in Babbeln, das, was ich gut finde, sozusagen, das finden andere gut. Und dann bin ich auf einmal nur noch in einer Community, wo alle was ähnlich sehen. und wenn ich in so einer Community eine andere Meinung äußere, ne, dann ist die Emotionalität, die ist aktiviert, die Algorithmen, die funktionieren primär auf Emotions-Arousal, ne, Hörung, Aktivierung, Ängste, Thrill, das heißt, wenn ich in so einem Kontext, wo alle so ein bisschen Vibes da, so, so Aktivierungs-Vibes haben, wenn ich da sage, aber momentan, wenn man mal ganz rational daran geht, wäre doch Folgendes zu beobachten, ey, du alte Sau, zack, du kriegst die Fresse poliert, und das mache ich ein oder zwei oder dreimal, dann merke ich, ich sage hier nichts mehr, du, ich sage nichts mehr, ich habe ja keinen Bock auf einen Shitstorm, ne, und deswegen sagen ja manche Leute, man darf hier, wir verlieren die Meinungsfreiheit in Deutschland, das ist totaler Quatsch, wir haben natürlich eine extrem hohe Meinungsfreiheit, die höchste weltweit wahrscheinlich mit, aber eine Meinung zu äußern, hat nun plötzlich einen Preis, den man früher nicht zahlen musste, früher konnte ich dir das völlig anders, so und so und so, ja, da fand man sich noch cool als jemand, der kritisch ist, ne, das kannst du immer noch sagen jetzt, aber du kriegst, du kriegst einen Gegenwind, und es kann sogar gefährlich werden, also es kann gefährlich werden sogar, aber wir haben immer noch Meinungsfreiheit, ne, und es gibt keine Instanz, die die einschränkt, der Staat sagt das nicht, ne, die einzelnen Gruppen verbieten keine Meinung, aber die reagieren extrem auf Meinung, die fahren die gesamte Kavallerie rauf, ne, die fahren die Atomwaffen rauf, wenn du irgendwas sagst, was deren Weltsicht sozusagen in Frage stellt, und dadurch haben wir eine extrem, einen Diskurs, der extrem emotionalisiert ist, und dadurch ist der eigene Sprecher oftmals, hat sich dann entschieden, ne, das sag ich lieber nicht jetzt, weiß ich genau, was dann in Sekundenschnelle passiert, und da hab ich keinen Bock drauf.

Oder ich meine, oder es gibt diejenigen, die eben genau auf die Reaktion aus sind, das hat man auf Rage-Date. Das gibt's auch, genau, da gibt's auch wieder Brief, ich scheiß hier nochmal rein, ne, und dann endlich mal Wahrnehmung, die ich sonst im Leben nicht kriege. Das ist ja auch, guck mal, manche Menschen sind nie besonders gesehen worden, und haben dann vielleicht auch nicht richtig was, sagen wir mal, performt, sodass andere begeistert waren von deren Qualitäten, oder Fähigkeiten, und jetzt merkst du auf einmal, wenn ich irgendwo reinscheiße, ne, und ich bin für irgendwas, wo alle gegen sind, dann krieg ich echt, krieg ich, krieg ich echt Klickraten. Die hassen mich zwar, aber ist ja egal. Besser gehasst zu werden, aber 2000 sozusagen Kommentare, als gar nicht wahrgenommen zu werden.

Und jetzt, so jemand macht wieder die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Ich scheiß da einmal rein ins System, und ich krieg, und die Leute, und ich sitz zu Hause, und ich weiß, die ärgern sich jetzt zwei Tage über meinen Post, ne, ich hab nämlich jetzt sowas, das macht Trump im Grunde, ne, ich hab jetzt sowas Provokatives da gemacht, das gegen alle Regeln des Anstandes und des Denkens und der Vernunft verstößt, und jetzt, so viel Aufmerksamkeit krieg ich doch sonst nie. Jetzt sag ich ein Bullshit, und die Leute sind ärgerlich ohne Ende, und Leute, die mir total überlegen sind übrigens, ja, wo ich komplett keine Chancen hätte, die ärgern sich jetzt total über mich. Ich hab jetzt gerade ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, und übrigens auch von Macht. Geil.

Cool. Also, und es hat viel mit der Art und Weise von Social, Social Media ist eine extrem spannende Idee, aber es ist halt, es ist, es ist pervertiert. Hat ja mit Social gar nichts mehr, ist ja Asozial Media eigentlich, und die Algorithmusprogrammierung ist das Problem. Also, wenn nicht Emotionalität, sondern Klugheit, gibt ja auch Überlegungen, wie man das anders programmieren könnte, ne, oder, oder wenn Leute sagen, oh, das hat mich jetzt bereichert, das hat mir eine Perspektive erweitert, wenn das komplett hoch geratet wurde, ne, und wenn einer sagt, du hast jetzt eine Welt sich, du bist jetzt total links oder total rechts oder du bist total angepasst in der Mitte, in den Altparteien sozusagen, das hat mir keine neue Perspektive gegeben, da wird gar nicht geklickt. Das heißt, das verschwindet, ne, diese ganze Emotionalität verschwindet, und dann gibt's mehrere Leute, die klicken einen Beitrag an, wo sie sagen, das war spannend, ne, da hab ich eine neue Idee gekriegt, auf was zu gucken, der wird total hochgespült, und dann hätten wir sozusagen Erkenntnisgewinn nach oben gesetzt, und nicht irgendwie, Emotionalisierung und Entwertung, ne, und Spaltung.

Ja, da müsste man aber politische Entscheidungen treffen, ne, und es kann ja immer noch ein TikTok geben, übrigens, aber ein geiles TikTok, ne, was eben, klug ist, und was Leute auch Spaß macht, und wo man gerne reinguckt, aber wo man sagen muss, ich geh danach bereichert raus, es ist ja mehr und mehr jetzt, auch bei jungen Menschen, dass sie sagen, ich hab keinen Bock mehr da drauf, weil ich merk schon, was das, für ein schales Gefühl macht, wenn ich da, zwei Stunden lang mir Shorts angucke, da bei TikTok, und, eigentlich, es ist, natürlich machen die süchtig, dieser so, sie sind ja so gebaut, die Algorithmen, ne, aber wenn ich da nicht aufpasse, dann schläge ich mich immer weiter, und dann, wenn ich da nachfrage, was hat mich das jetzt als Mensch weitergebracht, bin ich jetzt irgendwie klüger, reifer, interessanter, sehe ich besser aus danach, alles ganz im Gegenteil, ich gucke mir nur irgendwelche Sachen an, von Leuten, die total, durch Filter und Operationen, irgendwie so aussehen, wie ich nie aussehe, was für ein Selbstwertgefühl ernt sich denn da, ne, ne, ja, das stimmt, ey, scheiße, so kann man noch nicht in die Welt rausgehen, zack, ne, dann, irgendwelche politischen Sachen, ne, dann verfange ich mich in den Narrativen der anderen, in den Narrativokokken, ne, unser Gehirn ist total leicht kaperbar, ne, man kann jedes Gehirn ganz leicht kapern, du musst dir ein genauer Modell entwickeln von den Menschen, ne, auch der kritische Professor für irgendwas, den kriege ich natürlich auch gekapert, ich muss nur ein bisschen sozusagen in seine Richtung argumentieren, ich muss seine Quellen, die er gut findet, benutzen, und dann schiebe ich langsam was rein, so ganz langsam, ne, Kant hat doch auch schon an einer Stelle mal gesagt, das, ne, und da ist eine kleine Verunsicherung, ne, so, also, ey, sorry, deswegen halte ich ja nicht viel von Denken, also, oder das ist nicht das Alleinige, ne, wir müssen schon gucken, was, passiert sozusagen, da kann man nicht sagen, ich halte schon viel von Denken, aber, wir müssen auch dem Denken gegenüber eine kritische Beobachterinstanz einführen, und das ist das Spannende daran, ne, das heißt, der Appell wäre da, deiner Meinung nach, kritisch lernen, zu reflektieren, über sein eigenes Denken, und vor allem das, was gerade passiert, denn mir ist da auch gefallen, dass ich vor zwei Jahren, glaube ich, habe ich mal eine Idee, so eine Art, Idee aufgeschnappt, wo es heißt, Post-Content-Clarity, ja, das heißt, was, wie fühlst du dich nach diesem Art von Content, hat es dir was gebracht? Genau, das ist das, genau das meine ich, ja, sehr spannend, sehr wichtig, total wichtig, und eine andere wichtige Sache, die wir dringend brauchen, das ist die Überlebensressource im Moment, ist Ambiguitätstoleranz, also Mehrdeutigkeitstoleranz, ich halte es aus, dass eine Sache aus der Sicht, total sinnvoll und klug ist, und aus der Sicht ist sie eigentlich nicht machbar, weil der Preis zu hoch. Ja, stimmt. Ich halte es aus, dass jemand politisch für dieses Land ist, weil das ist schlimm, was die erlebt haben, aber ich halte es auch aus, dass man sagt, ich bin total für dieses Land, die im Krieg sind, weil die auch was Schlimmes erlebt haben. So, und was wir im Moment haben, ist ein katastrophaler Verlust von Mehrdeutigkeitskompetenz, von Ambiguitätstoleranz, das ist fatal, extrem fatal, das halte ich auch für uns, für flächendeckend, die Menschheit relativ behindert, und das ist, dafür ist eigentlich gute Berichterstattung wichtig, dass man verschiedene Positionen einnimmt, deswegen muss die Presse, die gute Qualitätspresse eben auch sozusagen eine gewisse Klarheit und Freiheit haben, und eben ganz klar Quellen benennen, und eben darf nicht emotionalisiert sein.

Aber man könnte, was auch ein Trick ist, zu sagen, wer spricht da eigentlich gerade, was sind seine Quellen, und cui bono, wer hat was davon, also von wem wird denn der bezahlt eigentlich? Ja, und warum sollte er das sagen, warum möchte er das sagen? Warum sollte er das sagen? Und es kann sein, dass er irgendwas damit verkauft, es kann sein, dass er irgendeiner fremden Macht damit dient, indem er die Demokratie durcheinander bringt, es kann sein, dass er, so mal, für sein Selbstkonzept und Selbstwertgefühl, es einfach braucht, als total wichtiger Typ rüberzukommen, der unheimlich viele Klicks kriegt, und damit das Gefühl subjektiv kriegt, der ist total wichtig, und dann merkt er durch diese Algorithmen, je krasser ich formuliere, desto mehr Leute kriege ich, und dann kann er gar nicht anders, das ist im Grunde eine Abhängigkeit, als noch krasser zu formulieren. Das hat er quasi in dem System, mit den Belohnungssystemen, die da vorherrschen, hat er das Entwickeln, man muss was sagen müssen.

Und daher kann man das auch dann lernen, so differenziert zu betrachten. Ja, ich verstehe. Das ist schon interessant, aber wenn jemand spricht, der spricht da eigentlich, also wer spricht da, was will der, wer zahlt den eigentlich? Und ich meine, ich glaube, das ist ja auch die Idee des Internets gewesen, vielleicht auch soziale Medien, weiß ich jetzt nicht ganz, aber jeder geht ins Internet, um erst mal Informationen zu kriegen. Absolut, die Idee war ja komplett anarchistisch fast, oder demokratieförderlich und freigeistig und so, das sind ja super Grundideen gewesen, aber das hat sich in eine andere Richtung entwickelt, und es wurde auch gekapert.

Es wurde ganz klar gekapert. und, also ich wäre zum Beispiel extrem kritisch auch, wenn ich Forschungsergebnisse nur aus einer Pharmafirma bekomme, ne, weil die haben natürlich was davon, dass sie es verkaufen. Gleichzeitig wäre ich schön blöd, wenn ich alles kritisiere, was von da kommt, weil es gibt so geile und wichtige und lebensrettende Medikamente, ich wäre ja blöd, wenn ich das nicht glauben würde und nicht nehmen würde. Also, da ist die Ambition. Und dann gibt es aber auch Bereiche in der Pharmaindustrie, und, wo, wo das wirklich unsauber ist, was da gemacht wird, und schädigend, und wo wir für den Erkenntnisgewinn dringend kritisch hingucken müssen.

Aber das heißt ja nicht, dass es in einem anderen Bereich nicht total wichtige, super, segensreichte Produkte gibt, vielleicht sogar von der gleichen Firma. Ne, so, das ist Ambiguitätstoleranz. Dass ich nicht sage, Big Pharma ist immer scheiße. Das stimmt ja zum Teil, dass Big Pharma echt gefährlich ist, für die Menschheit, ne. Aber das kann man doch nicht nur sehen.

Und man kann nicht nur sehen, Forschung in der Medizin ist immer richtig und gut. Also, dafür ist die Forschung oftmals viel zu unreflexiert und berücksichtigt viel zu wenig andere Aspekte da drin. Wir brauchen eine Mehrdeutlichkeitstoleranz. Was, und das ist intellektuell gesehen geil, weil es eine schöne Herausforderung ist, aber was ist das für viele Menschen? Anstrengend.

Jetzt habe ich gar keine Meinung, gefunden. Jetzt kommt einer, der sagt, ja, man kann das ganz anders sehen. Und das ist auch plausibel, was der sagt. Und das ist anstrengender für unser Gehirn, als, eine Meinung zu haben und damit abgeschlossen zu sein. Ich weiß, wie es vorzunehmen.

Ja. Das stimmt, das stimmt. Das ist auch eine narzisstische Überhöhung. Ich bin derjenige übrigens, ihr seid die Schlafschafe und ich will euch mal erklären, wie es wirklich ist. Ja.

Das ist ein narzisstischer Kick. Ne, ich bin dann nämlich der Einzige, der es gesehen hat. Wir leben in einer Welt von dummen Menschen, ne, und da gar keiner sieht irgendwas. Und ich bin der, der es sieht und der, euch das mal erklärt, wie es geht. Das klingt aber auch sehr paranoid.

Ja, paranoid, das ist, und das ist ja tatsächlich, in den Verschwörungserzählungen, ist eine Dynamik, wenn man dieses, wie das Muster erkennt, weiß, was das ist. Eine ist, es gibt eine Instanz, die will irgendwas machen hinter unserem Rücken. Das ist Big Pharma, das ist der Staat, das ist die, wie heißt das, Big, Deep State. Also da gibt es tatsächlich eine Komponente, eine Komponente, die tatsächlich eine paranoide, könnte man sagen, oder eine, sag mal, eine, um die, um die Werte und Wichtigkeit der Freiheit sich sorgende, so könnte man es ja mal nicht pathologisch ausdrücken, ne, Komponente hat. Das ist ja nicht alles krank, aber es ist eben, wenn jemand totale Angst hat, dass unsere Freiheitsgrade eingeschränkt werden.

Und da hat er ein paar Informationen, die total stimmen. Ja, das ist wirklich, wir haben das erlebt, unsere Freiheitsgrade wurden, da haben ja Juristen auch gesagt, das geht nicht, was wir hier gerade machen, ja, so, das stimmt ja an der Stelle, aber jetzt darf ich nicht, gar keine Wahrnehmung mehr haben und nur noch in den Kanal tief einsteigen, sondern muss ich sagen, okay, das stimmt und gleichzeitig stimmt was anderes aber auch. und das ist für Menschen oftmals anstrengend und fürs Gehirn anstrengend, dass ich mehrere Sachen gleichzeitig berücksichtige, ne. Ja, ja, weil, wenn man, wenn das cool existieren kann, wie nimmt man sonst die Welt wahr, wenn man sich nicht für eins entscheidet? Ja, absolut, genau.

Dann kommen wir jetzt passend zur letzten Frage. Ja, genau. Also, ich finde, ich finde das wirklich, ich finde das wirklich sehr, sehr interessant, mit dir zu reden. Ja, gleichfalls, ja. Ich runde das Gespräch immer gerne ab mit einem Ratschlag an die Zuhörer.

Wenn du eine Message hättest, einen Ratschlag, einen Appell für Menschen, die sich diese Podcast-Folge bis jetzt angehört haben, was würdest du denen gerne mit auf den Weg geben? Also, vielleicht könnte man sagen, das, was du interessant und nützlich und hilfreich fandst, nutze es und mach mehr draus. das, was dich nicht angesprochen hat, da gibt es zwei, oder was du scheiße fandst, kann man auf zwei Arten umgehen. Entweder, es ist halt scheiße, es passt nicht zu dir, oder, warum finde ich das eigentlich scheiße? Und wo ist vielleicht eins meiner Kernbedürfnisse verletzt?

Oder so, ne? Denn auch von Karl Gustav Jung kam das ja, dass, was dich in anderen stört, kann dir großen Aufschluss über dich selber geben. Richtig, genau. Das könnte auch der Fall sein. Muss übrigens nicht, ne?

Aber eigentlich schon, weil dann kommt raus, ich sehe das anders. Aber wir steigen jetzt nicht nochmal ein, weil dann können wir wieder. Genau. Dann Dr. Michael Bohne, wo sollen die Leute hingehen, wenn es sich interessiert, was sie beruflich machen?

Weil ich finde, du machst. Ich finde das wirklich sehr, sehr interessant. Ich werde auf jeden Fall die Webseite verlinken. Ja, kannst du machen, ja. Ich lese ja, also ich bin ja, ich mache ja viele Interviews und bei YouTube gibt es ganz viel zu gucken und woanders, also Podcast und andere Interviews und Vorträge, wird ja immer hochgeschrieben von meinem Buchverlag und ich habe ein paar Bücher geschrieben, kann man, wenn man will, lesen.

Aber ansonsten, also jetzt Behandlung oder Therapien oder Coachings mache ich gar nicht mehr, ne? Ich bilde nur noch andere aus, die das sozusagen, was ich da entwickelt habe, gut finden und das unter die Menschen bringen wollen. So, ne? Und wenn man das gut findet, dann kann man dafür sorgen, dass das mehrere Menschen erfahren, zum Beispiel, indem man anderen davon erzählt. Also wenn da jetzt jemand ist, dessen Papa oder Mama irgendwie Journalistin ist irgendwo, ne?

Dann kann man sagen, hey, das ist spannend, guck dir das mal an. Oder wenn jemand in irgendeinem Ausschuss im Bundestag sitzt von den Eltern, kann man sagen, hier, das ist interessant, kann man mal als Experten einladen oder so, ne? Oder wenn irgendjemand, also es geht um, es geht um Wissensmanagement letzten Endes, ne? Ich möchte, dass die Menschen möglichst differenziert über sich und die Welt nachdenken können und vor allem, dass sie sich was rausziehen, was ihnen hilft, ne? .

Okay. Dann. Perfekt. Vielen, vielen Dank für die Zeit. Vielen, vielen Dank.

Ich fand das sehr, ich fand das sehr, sehr interessant. Du hast ein paar Sachen gefragt, die noch kein Experte, der mich interviewt hat, so gefragt hat. Find ich sehr interessant. Oh, das find ich super. Das find ich super.

Ja, schön.

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